Was ist 116117.de und warum ist es für Videosprechstunden relevant?
Die meisten niedergelassenen Ärzte kennen die 116117 als ärztlichen Bereitschaftsdienst. Weniger bekannt ist, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) unter 116117.de auch eine Online-Terminvermittlung betreiben - die Terminservicestelle. Patienten können dort freie Facharzttermine suchen und direkt buchen, ohne die Praxis anrufen zu müssen.
Mit der Weiterentwicklung des Terminservices rückt ein neuer Aspekt in den Fokus: telemedizinische Termine. Auf Grundlage von §370a SGB V wurde der gesetzliche Rahmen geschaffen, um Videosprechstunden über die Terminservicestellen zu vermitteln. Für Praxen bedeutet das eine zusätzliche Möglichkeit, Terminslots zu füllen und neue Patienten zu erreichen - ohne eigenes Marketing.
Die gesetzliche Grundlage: §370a SGB V
Der Gesetzgeber hat mit §370a SGB V die Terminservicestellen ausdrücklich um telemedizinische Leistungen erweitert. Die Idee dahinter: Wenn ein Patient keinen zeitnahen Vor-Ort-Termin bei einem Facharzt bekommt, soll die Terminservicestelle auch einen Videotermin vermitteln können.
Das klingt in der Theorie überzeugend. In der Praxis ist die Umsetzung allerdings je nach KV unterschiedlich weit fortgeschritten. Einige KVen haben die Videosprechstunde bereits als Terminart in ihre Vermittlungssysteme integriert, andere befinden sich noch in der Umsetzung.
Was bedeutet das konkret?
- Praxen können Terminslots explizit als Videotermine kennzeichnen
- Patienten sehen bei der Suche, ob ein Termin vor Ort oder per Video stattfindet
- Die Vermittlung erfolgt über die bestehende Infrastruktur der KV-Terminservicestellen
- Für die Abrechnung gelten die regulären EBM-Ziffern für Videosprechstunden
Welche Fachgruppen profitieren besonders?
Nicht jede Fachrichtung eignet sich gleichermaßen für Videotermine über den Terminservice. Besonders relevant sind Fachgruppen, bei denen:
- Lange Wartezeiten auf Termine bestehen (Dermatologie, Psychiatrie, Neurologie)
- Erstgespräche und Beratungen einen großen Teil der Tätigkeit ausmachen
- Regionale Unterversorgung dazu führt, dass Patienten weite Wege auf sich nehmen
Fachgruppen wie Psychiatrie und Psychotherapie sind hier ein naheliegendes Beispiel: Wartezeiten von mehreren Monaten sind keine Seltenheit, und ein therapeutisches Erstgespräch lässt sich gut per Video durchführen. Ähnliches gilt für die Dermatologie, wo Patienten Hautveränderungen per Kamera zeigen können, oder für die Allgemeinmedizin bei Verlaufskontrollen chronischer Erkrankungen.
Die ehrliche Einschränkung: Fachrichtungen mit hohem Anteil an körperlicher Untersuchung - etwa Orthopädie oder HNO - werden über diesen Kanal weniger Termine vermitteln können.
Wie funktioniert die Einrichtung technisch?
Die Bereitstellung von Videoterminen über 116117.de läuft in der Regel über das Praxisverwaltungssystem (PVS) oder direkt über das KV-Portal.
Schritt für Schritt
- KV-Portal aufrufen: Melden Sie sich im Online-Portal Ihrer Kassenärztlichen Vereinigung an
- Terminslots einstellen: Legen Sie freie Terminslots an und kennzeichnen Sie diese als Videotermine
- Zeitfenster definieren: Wählen Sie Zeiten, in denen Sie für Videosprechstunden verfügbar sind
- Videodienstanbieter hinterlegen: Einige KVen fragen den genutzten Videodienstanbieter ab
Je nach KV kann die Einrichtung auch über eine PVS-Schnittstelle erfolgen. Einige gängige Praxisverwaltungssysteme bieten eine direkte Anbindung an die Terminvermittlung der KV. Ob Ihr PVS diese Funktion unterstützt, erfahren Sie beim jeweiligen Hersteller.
Wichtig: Zwei getrennte Systeme
Die Terminvermittlung über 116117.de und der eigentliche Videodienst sind zwei getrennte Systeme. Die KV vermittelt den Termin - die Videosprechstunde selbst führen Sie mit Ihrem zertifizierten Videodienstanbieter durch. Der Patient erhält nach der Buchung die Zugangsdaten zum Videogespräch, entweder automatisiert oder manuell durch Ihre Praxis.
Wie MeetOne die Videosprechstunde technisch umsetzt
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Kombination mit der eigenen Online-Buchung
Der Terminservice über 116117.de ist ein Kanal - aber nicht der einzige. Viele Praxen bieten bereits eine Online-Terminbuchung über die eigene Website an, oft über Dienste wie Doctolib, Jameda oder das PVS.
Die sinnvolle Strategie ist eine Kombination beider Kanäle:
| Kanal | Vorteil | Einschränkung |
|---|---|---|
| 116117.de | Erreicht Patienten, die keinen Hausarzt/Facharzt haben | Begrenzter Einfluss auf Darstellung |
| Eigene Website | Volle Kontrolle, Bestandspatienten | Erfordert eigenes Marketing |
| Arztbewertungsportale | Hohe Reichweite bei Patientensuche | Kostenpflichtige Premium-Platzierung |
Für Videosprechstunden empfiehlt sich, auf allen genutzten Kanälen klar zu kommunizieren, dass Videotermine verfügbar sind. Patienten, die gezielt nach einer Videosprechstunde suchen, nutzen zunehmend die Suchfilter der Portale.
Die Patientenperspektive: Wie Patienten Videotermine finden
Für Patienten ist der Ablauf auf 116117.de vergleichsweise einfach:
- Patient ruft 116117.de auf oder die telefonische Vermittlung unter 116117
- Auswahl der Fachrichtung und des Standorts
- Filterung nach Terminart - sofern die KV Videotermine als eigene Kategorie führt
- Buchung des Termins mit Angabe der Versichertendaten
- Erhalt einer Terminbestätigung mit Hinweis auf die Videosprechstunde
Der entscheidende Punkt: Patienten müssen nicht wissen, welchen Videodienstanbieter die Praxis nutzt. Sie buchen einen Termin und erhalten die technischen Zugangsdaten im Nachgang. Das senkt die Einstiegshürde erheblich.
Praktische Tipps: Welche Zeitfenster und wie viele Slots?
Wenn Sie Videotermine über den Terminservice anbieten, stellt sich die Frage nach der richtigen Taktung.
Zeitfenster
- Randzeiten nutzen: Frühe Morgenstunden (7:30-8:30) oder späte Nachmittagsstunden (16:00-17:30) eignen sich gut, weil sie für Berufstätige attraktiv sind und den Vor-Ort-Betrieb weniger belasten
- Feste Videosprechstunden-Blöcke: Statt einzelne Videotermine zwischen Vor-Ort-Patienten zu legen, empfiehlt sich ein zusammenhängender Block - das reduziert Kontextwechsel
- Pufferzeiten einplanen: Zwischen Videoterminen reichen 5 Minuten Puffer für Dokumentation und technische Vorbereitung
Anzahl der Slots
Starten Sie mit einem überschaubaren Kontingent - etwa 3 bis 5 Videotermine pro Woche. Beobachten Sie die Nachfrage über 4 bis 6 Wochen und passen Sie das Angebot an. Zu viele ungebuchte Slots binden keine Ressourcen, aber zu wenige bedeuten verpasste Chancen.
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Die ehrlichen Einschränkungen
So vielversprechend die Vermittlung von Videoterminen über 116117.de klingt - es gibt relevante Einschränkungen, die Sie kennen sollten:
Ungleichmäßige Umsetzung durch die KVen: Nicht alle 17 Kassenärztlichen Vereinigungen haben die Videosprechstunde als Terminart vollständig in ihre Vermittlungssysteme integriert. Der Umsetzungsstand variiert. Prüfen Sie bei Ihrer KV, ob und wie Videotermine aktuell gelistet werden können.
Patientenakzeptanz: Nicht jeder Patient, der über 116117 einen Termin sucht, ist für eine Videosprechstunde offen. Insbesondere ältere Patienten oder solche mit akuten Beschwerden bevorzugen häufig den persönlichen Kontakt.
Technische Integration: Die Verknüpfung zwischen Terminvermittlung und Videodienstanbieter ist nicht automatisiert. In den meisten Fällen müssen Sie dem Patienten den Zugangslink zur Videosprechstunde nach der Buchung separat zusenden.
Kein Ersatz für Bestandspatienten-Management: Der Terminservice richtet sich primär an Patienten, die einen neuen Arzt suchen oder keinen zeitnahen Termin bei ihrem bestehenden Arzt bekommen. Für die Terminvergabe an Bestandspatienten ist er nicht gedacht.
Zusammenfassung: 116117 und Videosprechstunde
- Die Terminservicestellen der KVen können seit der Erweiterung durch §370a SGB V auch Videotermine vermitteln
- Die Umsetzung ist KV-abhängig - nicht überall sind Videotermine bereits als eigene Kategorie verfügbar
- Fachgruppen mit langen Wartezeiten und hohem Beratungsanteil profitieren am stärksten
- Videosprechstunde und Terminvermittlung bleiben technisch zwei getrennte Systeme
- Starten Sie mit wenigen Slots und beobachten Sie die Nachfrage
Fazit
Die Vermittlung von Videosprechstunden über 116117.de ist ein sinnvoller zusätzlicher Kanal, um als Praxis neue Patienten zu erreichen - besonders in Fachrichtungen mit langen Wartezeiten. Die gesetzliche Grundlage steht, die Umsetzung durch die KVen schreitet voran, ist aber noch nicht flächendeckend abgeschlossen. Wer frühzeitig Videotermine über den Terminservice anbietet, positioniert sich für eine Entwicklung, die in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen wird.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Prüfen Sie den aktuellen Umsetzungsstand bei Ihrer zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung.