MeetOne Ratgeber

Videosprechstunde Anbieter Vergleich 2026

Videosprechstunde-Software und Videodienstanbieter im Vergleich 2026: KBV-Zertifizierung, Architektur, Preise und Kriterien für die Wahl der Praxis.

Videosprechstunde Anbieter Vergleich 2026

Für die GKV-Abrechnung kommt nur ein zertifizierter Videodienstanbieter infrage. Das Verzeichnis von KBV und GKV-Spitzenverband führt dazu 87 Einträge von 34 Anbietern (Stand 24.08.2026). Dieser Artikel vergleicht die Anbieter, die für niedergelassene Praxen relevant sind, und zeigt, wie Sie Videosprechstunde-Software systematisch auswählen.


Warum ein Anbietervergleich schwieriger ist, als er aussieht

Wer nach einem Videodienstanbieter für die Praxis sucht, findet schnell die KBV-Liste mit zertifizierten Anbietern. Im Verzeichnis stehen 87 Einträge (Stand 24.08.2026). Nach großer Auswahl sieht das nur auf den ersten Blick aus.

Ein genauerer Blick zeigt: Die 87 Einträge verteilen sich auf 34 Unternehmen. Allein arztkonsultation ak GmbH (21 Einträge), jameda mit den patientus-Auftritten (13), CompuGroup Medical (8) und XPERTyme (8) stellen zusammen 50 davon. Viele Einträge sind weitere Auftritte desselben Anbieters unter anderer Adresse, Module von Praxissoftware oder Dienste, die sich an Kliniken und nicht an niedergelassene Ärzte richten. Die tatsächliche Auswahl für eine typische Arztpraxis reduziert sich auf eine überschaubare Anzahl von Anbietern.

Dieser Artikel vergleicht die wichtigsten Optionen für niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten - sachlich, ohne Marketing-Versprechen und mit Blick auf die Fragen, die in der Praxis tatsächlich relevant sind.

Die KBV-Zertifizierung: Notwendig, aber nicht ausreichend

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband führen ein Verzeichnis der Videodienstanbieter, die die Nachweise nach Anlage 31b BMV-Ä vorgelegt haben. Vertragsärzte dürfen für Videosprechstunden ausschließlich solche Anbieter nutzen. Die Zertifikate stellen unabhängige, akkreditierte Stellen aus, nicht die KBV selbst (Details im Artikel zur KBV-Zertifizierung).

Was die Zertifizierung prüft

Die KBV-Zertifizierung stellt sicher, dass ein Anbieter bestimmte Mindestanforderungen erfüllt:

  • Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Kommunikation
  • Datenverarbeitung in Deutschland, der EU oder einem gleichgestellten Staat (Drittstaaten nur mit Angemessenheitsbeschluss)
  • Keine Weitergabe der Daten, Verbindungsdaten werden spätestens nach drei Monaten gelöscht
  • Zertifikat zur Informationssicherheit einer akkreditierten Stelle
  • Datenschutz-Zertifikat nach Art. 42 DSGVO

Was die Zertifizierung nicht sagt

Die KBV-Zertifizierung ist ein Mindeststandard - keine Qualitätsgarantie. Sie sagt nichts über:

  • Die tatsächliche technische Architektur: Die Anlage 31b nennt Peer-to-Peer als Regelfall, lässt aber Server-basierte Lösungen mit angemessenem Schutzniveau zu
  • Die Benutzerfreundlichkeit für Arzt und Patient
  • Den Funktionsumfang
  • Die Preisgestaltung
  • Die Qualität des Supports

Kurz: Ein Anbieter kann KBV-zertifiziert sein und trotzdem für Ihre Praxis ungeeignet.

Warum Zoom, Teams & Co. nicht in diesem Vergleich sind

Für die Abrechnung von Videosprechstunden über die KV ist ein KBV-zertifizierter Anbieter Pflicht. Allgemeine Videokonferenz-Tools wie Zoom, Google Meet, Microsoft Teams, Jitsi (selbst gehostet) oder NextCloud Talk erfüllen diese Anforderung nicht - unabhängig davon, wie gut ihre Verschlüsselung oder Funktionalität ist.

Dieser Vergleich konzentriert sich daher ausschließlich auf Anbieter, die nach Anlage 31b BMV-Ä zertifiziert sind und für die GKV-Abrechnung genutzt werden können.

Die Realität hinter der langen Liste

Die KBV-Liste enthält 87 Einträge (Stand 24.08.2026). Das täuscht jedoch über die tatsächliche Marktsituation hinweg:

Viele Einträge sind keine eigenständigen Anbieter:

  • KV-eigene Portale, etwa die Chronster Videosprechstunde (KV-Navi) der KV Hamburg
  • Praxissoftware-Hersteller, die Videomodule integriert haben
  • Mehrere Auftritte desselben Anbieters unter verschiedenen Adressen und Produktnamen (arztkonsultation ak GmbH mit 21 Einträgen, XPERTyme mit 8)
  • Klinik-orientierte Lösungen, etwa die patientus-Auftritte einzelner Kliniken, die für Einzelpraxen nicht verfügbar oder unpraktisch sind

Die relevante Auswahl für niedergelassene Praxen reduziert sich auf eine überschaubare Zahl von Anbietern, die:

  • sich aktiv an niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten richten
  • als eigenständige Lösung nutzbar sind (nicht nur als Modul einer Praxissoftware)
  • über eine eigene Infrastruktur verfügen
  • transparent über Preise und Funktionen informieren

Die wichtigsten Anbieter im Überblick

Im Folgenden werden die relevantesten Anbieter für niedergelassene Praxen vorgestellt. Die Auswahl basiert auf Marktpräsenz, Verfügbarkeit und Relevanz für den ambulanten Bereich. Alle sechs stehen in der KBV-Liste (Stand 24.08.2026). Preise und Tarife wurden im Oktober 2026 auf den Websites der Anbieter geprüft, die Angaben zur Architektur stammen aus deren Datenschutzerklärungen, Handbüchern und Zertifikaten.

Übersicht der Kernmerkmale

Anbieter Architektur Zielgruppe Preismodell
MeetOne Peer-to-Peer (SFU in Beta) Alle Fachrichtungen Pro Behandler/Monat oder pro Termin
arztkonsultation.de Peer-to-Peer laut Anbieter Breites Spektrum, auch Kliniken Monatspakete (Basic, Advanced, Professional)
Consularia Server-basiert (Medienserver laut Handbuch), E2EE laut Anbieter Therapeuten und Ärzte, u. a. Psychotherapie Flatrate pro Nutzer/Monat
sprechstunde.online Peer-to-Peer laut Anbieter Niedergelassene Ärzte Pro Nutzer/Monat
Doctolib Peer-to-Peer laut TÜV-Zertifikat, Videoübertragung über den Dienstleister Vonage Praxen mit Doctolib-Software Mit Doctolib-Abo, laut Anbieter bis 31.12.2026 kostenlos
CGM ELVI Peer-to-Peer für Videosprechstunden (bis 5 Personen), Server für Videokonferenzen (bis 10) laut Datenschutzerklärung CGM-Praxissoftware und Fremdsysteme Monatspakete ab 29 €

MeetOne

Technische Architektur: Peer-to-Peer mit verschlüsseltem TURN-Fallback; SFU mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in Private Beta

MeetOne ist mit dem Produkt „MeetOne Videosprechstunde" in der KBV-Liste geführt. Statt Video- und Audioströme über einen zentralen Server zu leiten, kommunizieren Arzt und Patient in Einzelgesprächen direkt miteinander. Bei schwierigen Netzwerkbedingungen springt ein TURN-Server als Relay ein - die Daten bleiben dabei Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Für größere Gruppen befindet sich eine SFU-Lösung mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in der Private Beta.

Neben der Videosprechstunde deckt MeetOne je nach Tarif weitere Praxisabläufe ab: Basic enthält Online-Terminbuchung, sichere Dokumentenübermittlung und ein Website-Widget. Pro ergänzt unter anderem ein digitales Wartezimmer für offene Videosprechstunden, Vor-Ort-Termine, digitale Patienteneinwilligungen und die Synchronisation mit Google-, Outlook- und CalDAV-Kalendern. Health bringt zusätzlich Messenger, Patientenakte und Televisite für Konsile mit externen Ärzten mit.

Vorteile:

  • Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ohne technische Zugriffsmöglichkeit des Anbieters
  • Moderne, intuitive Benutzeroberfläche
  • Kein App-Download für Patienten erforderlich
  • Integrierte Terminbuchung für Patienten, auch als Widget auf der Praxis-Website
  • Warteraum-Funktion für organisiertes Patientenmanagement
  • Sichere Dokumentenübermittlung an Patienten und von Patienten, ohne dass diese ein Konto benötigen
  • Praxiskonten mit mehreren Behandlern und eigenen Zugängen für Medizinische Fachangestellte, die Termine für die Praxis verwalten
  • Video-API zur Integration in Drittsysteme verfügbar
  • Flexible Preismodelle (Pauschale oder Abrechnung pro Termin)
  • Deutsche Server, deutsches Unternehmen

Einschränkungen:

  • Peer-to-Peer für große Gruppenkonferenzen (mehr als 6 Teilnehmer) weniger geeignet (SFU in Beta)
  • Messenger und Patientenakte sind nicht in Basic und Pro enthalten, sondern erst in Health oder als Zusatzpaket

Preisgestaltung: Pro Behandler und Monat (netto): Basic 9 € bei jährlicher bzw. 19 € bei monatlicher Zahlung, Pro 39 € bzw. 49 €, Health 99 € bzw. 119 €. Zugänge für Medizinische Fachangestellte sind in allen Tarifen ohne Aufpreis und in beliebiger Anzahl enthalten, berechnet werden nur die Behandler. On-Demand: 2,90 € pro Termin plus 39 € Grundgebühr pro Jahr. Video-API 0,01 € pro Teilnehmerminute. 30 Tage kostenlos testen, ohne Kreditkarte.

MeetOne-Tarife und Preise im Überblick

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arztkonsultation.de

Technische Architektur: Peer-to-Peer laut Anbieter

arztkonsultation.de gehört zu den etablierten Anbietern am deutschen Markt und wird von der arztkonsultation ak GmbH aus Schwerin betrieben. Die Lösung richtet sich an Praxen, Kliniken und weitere Einrichtungen. In der KBV-Liste steht das Unternehmen mit 21 Einträgen, viele davon unter anderen Produktnamen und Adressen. Wie MeetOne führt arztkonsultation.de die Peer-to-Peer-Verbindung unter seinen Datenschutzmaßnahmen auf und nennt zusätzlich eine ISO-27001-Zertifizierung und ein BSI-C5-Testat.

Vorteile:

  • Etablierter Anbieter, nach eigenen Angaben seit 2014 am Markt
  • Peer-to-Peer-Verbindung und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung laut Anbieter
  • Gruppengespräche mit bis zu 11 Teilnehmenden (ab Paket Advanced)
  • Video-API (REST, Webhooks, SSO) zur Integration in eigene Systeme
  • Verschlüsselter Dokumentenaustausch und virtuelles Wartezimmer

Einschränkungen:

  • Gruppengespräche, Terminbuchungsmodul, Nutzerverwaltung und Assistenzfunktionen erst ab dem Paket Advanced, API und Webhooks erst im Paket Professional
  • Konferenzen mit mehr als 11 Teilnehmenden sind nicht vorgesehen

Preisgestaltung: Drei Pakete (netto pro Monat): Basic 19 € (Einzelpraxen), Advanced 49 €, Professional 249 €. Durchgeführte Videosprechstunden verursachen keine zusätzlichen Kosten. 14 Tage kostenlos testen.

Consularia

Technische Architektur: Server-basiert (Medienserver mit TURN-Relay laut Handbuch des Anbieters), Ende-zu-Ende-Verschlüsselung laut Anbieter

Consularia Live richtet sich an Therapeuten und Ärzte, unter anderem in Psychotherapie, Allgemeinmedizin, Ergotherapie, Logopädie und Hebammenarbeit. Die Server stehen laut Anbieter in Deutschland und den Niederlanden, Patienten nehmen im Browser ohne Installation teil. In der KBV-Liste steht das Produkt „Consularia Live" der Consularia GmbH mit bis zu 100 Teilnehmern.

Vorteile:

  • Einzel- und Gruppentermine, Gruppenräume bis 100 Teilnehmer (Tarif Pro)
  • Patienten nehmen im Browser ohne Installation teil
  • Patienten- und Terminverwaltung
  • Im Tarif Pro: organisatorischer Zweitzugang (Assistenzzugang zur Patienten- und Terminverwaltung), mit dem keine Sprechstunden durchgeführt werden

Einschränkungen:

  • Der Tarif Duo umfasst nur Einzeltermine mit einem Gast, Gruppentermine gibt es erst ab dem Tarif Group (bis 25 Teilnehmer)
  • Assistenzzugang nur im Tarif Pro
  • Server-basierte Architektur: Der Medienverkehr läuft laut Handbuch über Medienserver des Anbieters, die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung setzt einen unterstützten Browser voraus (auf iPhone und iPad Safari)

Preisgestaltung: Seit 1. Oktober 2026 drei Tarife (jeweils netto): Duo 19,90 €/Monat (Einzeltermine, 1 Nutzer, 1 Gast), Group 29,90 €/Monat (Einzel- und Gruppentermine bis 25 Teilnehmer), Pro 39,90 €/Monat (Gruppen bis 100 Teilnehmer, inkl. Assistenzzugang). 30 Tage kostenlos testen, ohne Kreditkarte.

sprechstunde.online

Technische Architektur: Laut Anbieter Peer-to-Peer-Verbindung zwischen Behandler und Patient

sprechstunde.online wird von der Zava Sprechstunde Online GmbH (Essen) betrieben und in der KBV-Liste als app.sprechstunde.online geführt (bis zu 20 Teilnehmer). Die Plattform richtet sich an niedergelassene Ärzte und bietet eine webbasierte Lösung ohne App-Installation für Patienten. Wie Konferenzen mit mehreren Teilnehmern technisch umgesetzt sind, beschreibt der Anbieter nicht.

Vorteile:

  • Webbasiert, keine App-Installation nötig
  • Tarife jederzeit kündbar
  • Video-API verfügbar

Einschränkungen:

  • Online-Terminbuchung für Patienten erst ab dem Tarif Business, zusätzliche Konten kosten dort 9,90 € pro Monat
  • Bei Nutzung der API können laut Preisseite Zusatzkosten entstehen

Preisgestaltung: Expert 12,90 €/Monat bei jährlicher bzw. 14,90 € bei monatlicher Zahlung (1 Nutzer), ExpertPlus 16,90 € bzw. 19,90 € (zusätzlich Whiteboard und Breakout-Räume), Business 38,06 € bzw. 44,90 € (3 Nutzer), Enterprise 249,90 €/Monat bei jährlicher Zahlung (20 Nutzer). Angaben laut Preisseite des Anbieters. 14 Tage kostenlos testen.

Doctolib

Technische Architektur: Peer-to-Peer laut TÜV-Zertifikat, Videoübertragung über den Dienstleister Vonage

Doctolib ist primär eine Plattform für Online-Terminbuchung und Patientenkommunikation. Die Videosprechstunde ist kein eigenständiges Produkt, sondern setzt ein aktives Doctolib-Softwareabonnement voraus. Vertragspartner ist die Doctolib GmbH in Berlin. Im TÜV-Zertifikat (Ausgabe 2022) ist die Videosprechstunde als Peer-to-Peer-Kommunikation zwischen Arzt und bekanntem Patient beschrieben, die Datenschutzhinweise von Doctolib nennen Vonage als Dienstleister für die Videoübertragung.

Vorteile:

  • Nahtlose Integration mit Terminbuchung
  • Hohe Bekanntheit bei Patienten
  • Erinnerungsfunktionen und Patientenkommunikation inklusive
  • Große Nutzerbasis

Einschränkungen:

  • Keine Stand-alone-Nutzung möglich - nur mit Doctolib-Software
  • Laut KBV-Liste nur Gespräche mit 2 Teilnehmern (Arzt und Patient)
  • Vollständige Bindung an das Doctolib-Ökosystem

Preisgestaltung: Teil des Doctolib-Abonnements. Nach Angabe von Doctolib ist die Videosprechstunde für Abonnenten bis einschließlich 31.12.2026 kostenlos, die Konditionen danach nennt der Anbieter auf der Produktseite nicht.

CGM ELVI (CompuGroup Medical)

Technische Architektur: Peer-to-Peer für Videosprechstunden (bis 5 Personen), Server für Videokonferenzen (bis 10 Personen)

CompuGroup Medical (CGM) ist einer der größten Anbieter von Praxissoftware in Deutschland und führt mehrere Videosprechstunden-Produkte in der KBV-Liste, darunter CGM ELVI und CLICKDOC Videosprechstunde. Laut Datenschutzerklärung von CGM (Stand 22.05.2025) läuft eine Videosprechstunde mit bis zu 5 Personen als TLS-verschlüsselte Peer-to-Peer-Verbindung ohne zwischengeschalteten Server, nur wenn diese nicht aufgebaut werden kann, wird die Verbindung über einen Server hergestellt. Videokonferenzen mit bis zu 10 Personen laufen über einen CGM-Server. Auf der CGM-Website wird die „CGM VideoSprechstunde" beschrieben: Sie ist nach Angaben von CGM mit jeder CGM-Praxissoftware (ALBIS, MEDISTAR, M1 PRO, TURBOMED) und mit Systemen von Drittanbietern kompatibel.

Vorteile:

  • Integration in bestehende CGM-Praxissoftware
  • Einheitliche Oberfläche für PVS-Nutzer
  • Große Installationsbasis
  • Nach Anbieterangabe auch mit Fremdsystemen nutzbar

Einschränkungen:

  • Videosprechstunden mit bis zu 5 Personen, größere Runden bis 10 Personen nur als Videokonferenz über Server (die KBV-Liste nennt für die Produkte bis zu 10 Teilnehmer)
  • Bei Nutzung mit CGM-Praxissoftware Bindung an das CGM-Ökosystem

Preisgestaltung: Laut CGM-Website monatliche Pakete von „Basis ab 29 €" bis „Flatrate 49 €". Ein Monat kostenlos testen, Sonderkündigungsrecht innerhalb eines Monats nach Vertragsschluss.

Technische Unterschiede: Warum die Architektur wichtig ist

Die meisten Vergleiche konzentrieren sich auf Funktionen und Preise. Für Ärzte als Berufsgeheimnisträger ist jedoch ein anderer Aspekt mindestens ebenso relevant: Wer hat technisch Zugriff auf die Kommunikation? Eine ausführliche Erläuterung dieses Themas finden Sie in unserem Artikel Videokonferenzen für Geheimnisträger, den Architekturvergleich vertieft der Artikel Peer-to-Peer vs. Server-basiert.

Die Anlage 31b nennt die Peer-to-Peer-Verbindung als Regelfall: Die Übertragung „soll" ohne zentralen Server erfolgen (§ 2 Abs. 2). Wer davon abweicht, muss durch technische und organisatorische Maßnahmen ein angemessenes Schutzniveau gewährleisten.

Server-basierte Architektur (SFU)

Anbieter, die Konferenzen mit vielen Teilnehmern ermöglichen, nutzen in der Regel eine SFU (Selective Forwarding Unit). Dabei laufen alle Video- und Audiostreams über einen zentralen Server:

  • Der Server empfängt die Streams aller Teilnehmer
  • Der Server entscheidet, welche Streams an wen weitergeleitet werden
  • Der Server kann Funktionen wie Aufzeichnung oder Transkription ermöglichen

Konsequenz: Der Betreiber hat technisch die Möglichkeit, auf die Kommunikation zuzugreifen. Das ist keine Unterstellung böser Absichten, sondern eine technische Tatsache. Ob das für Ihre Praxis relevant ist, hängt von Ihrer Risikoeinschätzung ab.

Peer-to-Peer-Architektur

Bei Peer-to-Peer-Lösungen kommunizieren die Teilnehmer direkt miteinander:

  • Die Daten fließen vom Gerät des Arztes direkt zum Gerät des Patienten
  • Kein zentraler Server sieht die Kommunikationsinhalte
  • Der Anbieter kann technisch nicht mitlesen - selbst wenn er wollte

Konsequenz: Höheres Datenschutzniveau, aber technische Einschränkungen bei größeren Gruppen (da jedes Gerät alle Streams verarbeiten muss).

Was bedeutet das praktisch?

Für die meisten Anwendungsfälle in der Praxis - Einzelgespräche mit Patienten, Angehörigengespräche, kleine Fallbesprechungen - funktionieren beide Architekturen. Der Unterschied liegt im Datenschutzniveau:

  • Wenn Sie maximale Vertraulichkeit wollen: Peer-to-Peer ist die technisch sicherere Wahl. Für Einzelgespräche beschreiben mehrere der verglichenen Anbieter eine solche Verbindung, bei Gruppengesprächen unterscheiden sie sich.
  • Wenn Sie große Gruppenkonferenzen brauchen: Server-basierte Lösungen sind praktikabler.
  • Wenn Sie die Videosprechstunde in ein größeres Ökosystem einbinden wollen: Die Integration mit Praxissoftware oder Terminbuchung kann wichtiger sein als die Architektur.

Vergleich nach Anwendungsfall

Nicht jeder Anbieter passt zu jeder Praxis. Die Wahl hängt von Ihren spezifischen Anforderungen ab.

Für Psychotherapeuten

Kriterium Empfehlung
Gruppentermine Consularia (bis 100 Teilnehmer), arztkonsultation.de (bis 11 Teilnehmer, ab Advanced)
Peer-to-Peer für Einzelgespräche (laut Anbieter) MeetOne, arztkonsultation.de, sprechstunde.online, CGM ELVI
Kostenloser Einstieg MeetOne, arztkonsultation.de, Consularia, sprechstunde.online
Integrierte Terminbuchung Doctolib, MeetOne, arztkonsultation.de, Consularia, sprechstunde.online

Psychotherapeuten haben besonders hohe Anforderungen an Vertraulichkeit. Für Einzelgespräche bieten Peer-to-Peer-Lösungen wie die von MeetOne eine Verbindung ohne zentralen Server. Consularia bietet Gruppenräume bis 100 Teilnehmer, was für Gruppentherapien relevant ist. Mehr zu den besonderen Anforderungen für Psychotherapeuten lesen Sie in unserem Artikel Videosprechstunde für Psychotherapeuten.

Für Hausärzte und Allgemeinmediziner

Kriterium Empfehlung
Integration mit PVS CGM (für CGM-Nutzer), Doctolib (für Doctolib-Nutzer)
Patientenbekanntheit Doctolib
Einfacher Einstieg MeetOne, arztkonsultation.de, Consularia, sprechstunde.online
Peer-to-Peer für Einzelgespräche (laut Anbieter) MeetOne, arztkonsultation.de, sprechstunde.online, CGM ELVI, Doctolib
Flexible Preise / Pay-per-Call MeetOne

Hausärzte nutzen die Videosprechstunde oft für Folgekonsultationen und einfache Beratungen. Hier zählt vor allem die Praktikabilität: einfacher Zugang für Patienten, schnelle Verbindung, zuverlässige Technik. Bei schwankendem Videosprechstunden-Aufkommen kann ein flexibles Preismodell ohne monatliche Fixkosten sinnvoll sein.

Für Fachärzte

Kriterium Empfehlung
Konsiliarische Gespräche MeetOne, arztkonsultation.de (Peer-to-Peer)
Breite Patientenbasis arztkonsultation.de, Doctolib
Integration in Klinikstrukturen MeetOne, arztkonsultation.de, sprechstunde.online
API für eigene Systeme MeetOne, arztkonsultation.de, sprechstunde.online

Je nach Fachrichtung unterscheiden sich die Anforderungen erheblich. Psychiater haben ähnliche Anforderungen wie Psychotherapeuten, während andere Fachrichtungen stärker auf Integration und Patientenreichweite achten. Für Praxen mit eigener Software oder speziellen Workflows bietet eine offene Video-API zusätzliche Flexibilität.

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Preisvergleich: Was kostet die Videosprechstunde?

Die Preismodelle der Anbieter unterscheiden sich erheblich. Ein direkter Vergleich ist schwierig, da die Leistungsumfänge variieren.

Typische Preisstrukturen

Modell Beispiel Charakteristik
Monatliche Pauschale MeetOne, arztkonsultation.de, Consularia, sprechstunde.online, CGM Feste Kosten, planbar
Pay-per-Call / On-Demand MeetOne Zahlung pro Termin plus jährliche Grundgebühr
Ökosystem-Preis Doctolib Voraussetzung ist das Doctolib-Abonnement, laut Anbieter bis 31.12.2026 kostenlos

Worauf bei den Kosten achten?

  • Mindestvertragslaufzeit: Einige Anbieter binden Sie für 12 oder 24 Monate.
  • Preis pro Nutzer vs. pro Praxis: Bei mehreren Behandlern macht das einen großen Unterschied.
  • Zugänge für das Praxisteam: Wenn MFA Termine für die Behandler anlegen und verwalten sollen, brauchen sie einen eigenen Zugang. Ob dieser wie ein Behandler berechnet wird, unterscheidet sich je nach Anbieter: Bei MeetOne sind MFA-Zugänge in allen Tarifen ohne Aufpreis enthalten, Consularia bietet seit Oktober 2026 im Tarif Pro einen organisatorischen Zweitzugang, bei arztkonsultation.de gehören Nutzerverwaltung und Assistenzfunktionen zum Paket Advanced, bei sprechstunde.online kosten zusätzliche Konten im Tarif Business 9,90 € pro Monat. Die Anlage 31b erlaubt solche Zweitzugänge nur für organisatorische Zwecke.
  • Versteckte Kosten: Setup-Gebühren, Schulungen, Support-Pakete.
  • Kündigungsfristen: Wie flexibel können Sie wechseln?

Kosten vs. Nutzen

Die günstigste Lösung ist nicht automatisch die beste Wahl. Relevante Fragen:

  • Wie viele Videosprechstunden führen Sie pro Monat durch?
  • Wie stark schwankt Ihr Videosprechstunden-Aufkommen? Bei variabler Nutzung kann ein Pay-per-Call-Modell wirtschaftlicher sein als eine monatliche Pauschale.
  • Welchen Wert hat eingesparte Zeit durch bessere Bedienbarkeit?
  • Was kostet Sie ein technischer Ausfall während einer wichtigen Konsultation?
  • Wie wichtig ist Ihnen das Datenschutzniveau für Ihre Patienten?

Videosprechstunde-Software auswählen: So vergleichen Sie Videodienstanbieter

Im Praxisalltag ist von Videosprechstunde-Software die Rede, im Vertragsarztrecht vom Videodienstanbieter. Gemeint ist derselbe Dienst: die Anwendung, über die Arzt und Patient die Sprechstunde führen. Für den Vergleich bietet sich eine feste Reihenfolge an: erst die Pflichtkriterien, dann der Bedarf der Praxis, zuletzt der Preis.

Schritt 1: Pflichtkriterien klären

Diese Anforderungen der Anlage 31b muss jeder gelistete Anbieter erfüllen. Zu prüfen ist, ob der Listeneintrag zum gebuchten Produkt passt und ob das Zertifikat noch gilt (Spalte „Zertifikate gültig bis", Vorgehen im Artikel zur KBV-Zertifizierung):

  • Patienten können ohne vorherige Registrierung teilnehmen.
  • Die Nutzungsbedingungen liegen vollständig auf Deutsch vor und sind ohne Anmeldung abrufbar.
  • In der Videosprechstunde wird keine Werbung geschaltet.
  • Ein Zweitzugang für das Praxispersonal ist erlaubt, aber nur für organisatorische Zwecke. Eine Sprechstunde lässt sich damit nicht führen.
  • Die maximale Teilnehmerzahl ist angegeben. In der Liste reicht sie von 2 (Doctolib) über 10 (MeetOne, CGM ELVI) bis 100 (Consularia Live).

Schritt 2: Bedarf der Praxis festlegen

Frage Bedeutung für die Auswahl
Wie viele Behandler nutzen die Software? Preise gelten meist pro Behandler oder Nutzerkonto. Praxisteams brauchen ein Paket mit mehreren Konten.
Brauchen Sie Gruppentermine? Die Teilnehmerzahl unterscheidet sich je Produkt stark. Für Gruppentherapie oder Fallkonferenzen zählt der Höchstwert.
Soll die Software eigenständig oder zur Praxissoftware passen? Hersteller von Praxissoftware bieten Videomodule an (etwa Doctolib, CGM), eigenständige Anbieter funktionieren unabhängig davon. Für eigene Systeme gibt es Video-APIs, etwa bei MeetOne und arztkonsultation.de.
Welche Zusatzfunktionen brauchen Sie? Online-Terminbuchung, Warteraum, Dokumentenaustausch und Fragebögen sind je nach Anbieter und Tarif enthalten oder kostenpflichtig.
Wie kommen Patienten in die Sprechstunde? Der Zugang ohne Registrierung ist Pflicht. Ob zusätzlich eine App nötig ist, unterscheidet sich, siehe Browser vs. App.

Schritt 3: Datenschutz und Architektur bewerten

Lassen Sie sich den Auftragsverarbeitungsvertrag und die Bescheinigung nach Anlage 2 geben. Fragen Sie nach Serverstandort und Konzernzugehörigkeit des Anbieters. Wie sich Peer-to-Peer und Server-basierte Lösungen unterscheiden, zeigt der Abschnitt zur Architektur weiter oben und der Artikel Peer-to-Peer vs. Server-basiert.

Schritt 4: Kosten über die gesamte Nutzung vergleichen

Rechnen Sie mit allen Behandlern und Zugängen für das Praxisteam, nicht mit dem günstigsten Einstiegspreis. Ergänzen Sie Mindestlaufzeit, Kündigungsfrist und Zusatzmodule wie eine API. Dem stehen die Zuschläge für die Videosprechstunde gegenüber: Der Technikzuschlag GOP 01450 beträgt 2026 rund 5,10 € je Videosprechstunde, höchstens aber 700 Punkte (rund 89 €) je Arzt und Quartal. Lizenzkosten oberhalb dieses Betrags trägt die Praxis selbst. Ob sich die Videosprechstunde für eine Praxis insgesamt rechnet, behandelt der Artikel zur Wirtschaftlichkeit der Videosprechstunde.

Schritt 5: Mit echten Abläufen testen

Die meisten Anbieter bieten eine Testphase: MeetOne und Consularia 30 Tage, arztkonsultation.de und sprechstunde.online 14 Tage, CGM einen Monat. Testen Sie einen vollständigen Ablauf: Einladung an einen Patienten, Teilnahme per Smartphone, Warteraum, Dokumentenaustausch. Die Meldung des Anbieters an die KV läuft getrennt davon, die Verfahren aller 17 KVen beschreibt der Artikel Videosprechstunde bei der KV anmelden.

Die folgende Checkliste fasst die Kriterien als Fragen zusammen.

Checkliste für die Anbieterwahl

Diese Fragen helfen bei der systematischen Bewertung. Eine ausführliche DSGVO-Checkliste mit Mustervorlagen finden Sie in unserem DSGVO-Leitfaden für Videosprechstunden.

Technische Anforderungen

  • Ist der Anbieter KBV-zertifiziert?
  • Welche technische Architektur wird genutzt (Server-basiert oder Peer-to-Peer)?
  • Wo stehen die Server?
  • Funktioniert die Lösung ohne App-Installation für Patienten?
  • Wie stabil ist die Verbindungsqualität?

Praktische Anforderungen

  • Wie einfach ist der Zugang für technisch weniger versierte Patienten?
  • Gibt es eine Warteraum-Funktion?
  • Können Dokumente ausgetauscht werden?
  • Wie gut ist der Support erreichbar?

Wirtschaftliche Anforderungen

  • Wie hoch sind die monatlichen Kosten?
  • Werden Zugänge für MFA und Praxispersonal zusätzlich berechnet?
  • Gibt es eine kostenlose Testphase?
  • Welche Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen gelten?
  • Welche Zusatzkosten können entstehen?

Integration

  • Lässt sich die Lösung in bestehende Praxissoftware integrieren?
  • Gibt es eine Terminbuchungsfunktion oder Schnittstellen dazu?
  • Wie werden Patientendaten verwaltet?

Die Schwächen jedes Ansatzes

Kein Anbieter ist perfekt. Hier die wichtigsten Einschränkungen der verschiedenen Ansätze:

Peer-to-Peer (MeetOne, arztkonsultation.de, laut Anbieterunterlagen auch sprechstunde.online, CGM ELVI und Doctolib):

  • Begrenzte Teilnehmerzahl bei Gruppenkonferenzen (MeetOne adressiert dies mit SFU-Option in Beta)
  • Abhängig von der Internetqualität beider Seiten
  • Keine serverseitigen Funktionen wie automatische Aufzeichnung

Server-basiert (etwa Consularia, bei CGM die Videokonferenz):

  • Der Anbieter betreibt die Medienserver, der Schutz hängt von der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ab
  • Bei Serverproblemen fallen alle Verbindungen aus
  • Datenschutzrechtlich komplexer für Berufsgeheimnisträger

Ökosystem-Lösungen (Doctolib, CGM):

  • Starke Bindung an einen Anbieter
  • Wechsel zu anderen Lösungen aufwendig
  • Bei Doctolib ist die Videosprechstunde nur mit Doctolib-Abonnement nutzbar

Zusammenfassung der wichtigsten Unterschiede

  • KBV-Zertifizierung ist Pflicht für GKV-Abrechnung, aber kein Qualitätssiegel
  • Technische Architektur bestimmt, wer auf Ihre Kommunikation zugreifen kann
  • Peer-to-Peer bietet höchstes Datenschutzniveau, mit Einschränkungen bei Gruppengrößen
  • Server-basiert ist flexibler bei Funktionen und Gruppengrößen, der Anbieter betreibt aber die Medienserver
  • Die richtige Wahl hängt von Ihren spezifischen Anforderungen ab
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Fazit

Der Markt für Videosprechstunden-Anbieter ist unübersichtlich. Die lange KBV-Liste täuscht über die tatsächliche Auswahl hinweg - für niedergelassene Praxen kommen nur wenige Anbieter ernsthaft in Frage.

Die wichtigste Entscheidung ist nicht, welcher Anbieter die längste Feature-Liste hat, sondern welcher zu Ihren Anforderungen passt:

  • Datenschutz: Für Praxen mit hohem Vertraulichkeitsanspruch macht die technische Architektur einen echten Unterschied. Peer-to-Peer-Lösungen bieten hier strukturelle Vorteile, und mehrere der verglichenen Anbieter beschreiben für Einzelgespräche eine solche Verbindung.
  • Flexibilität: Bei schwankendem Videosprechstunden-Aufkommen oder dem Wunsch nach Integration in eigene Systeme lohnt sich ein Blick auf flexible Preis- und API-Modelle.
  • Ökosystem: Für Praxen, die die Videosprechstunde in eine bestehende Software einbinden wollen, zählt vor allem die Integration - mit dem Nachteil stärkerer Anbieterbindung.

Eine kostenlose Testphase - die die meisten Anbieter anbieten - ist der beste Weg, um herauszufinden, ob eine Lösung in Ihren Praxisalltag passt. Testen Sie dabei nicht nur die Technik, sondern auch den Patientenzugang: Wie einfach ist es für Ihre Patienten, an einer Videosprechstunde teilzunehmen?

Dieser Artikel dient der allgemeinen Orientierung bei der Anbieterwahl und ersetzt keine individuelle Beratung. Die genannten Informationen zu Anbietern können sich ändern. Stand: Oktober 2026. Preise, Tarife und Teilnehmerzahlen stammen von den Websites der Anbieter und aus der KBV-Liste der zertifizierten Videodienstanbieter (Stand 24.08.2026).