MeetOne Ratgeber

Digital Health Report 2026: Ärzte und Patienten zur Digitalisierung

79 % der Ärzte finden digitale Tools hilfreich, 70 % der Patienten die Digitalisierung zu langsam. Was der Digital Health Report 2026 für Praxen bedeutet.

Digital Health Report 2026: Ärzte und Patienten zur Digitalisierung

Zwei Perspektiven, ein gemeinsames Problem

Der Digital Health Report 2026 liefert eine bemerkenswerte Spannung: 79 Prozent der Ärzte bewerten digitale Anwendungen als hilfreich (Digital Health Report 2026). Gleichzeitig finden 70 Prozent der Patienten, dass die Digitalisierung im Gesundheitswesen zu langsam vorangeht (Digital Health Report 2026).

Beide Seiten wollen also mehr Digitalisierung. Aber die Gründe für die Unzufriedenheit sind grundverschieden. Ärzte kämpfen mit bürokratischem Overhead, fehlender Interoperabilität und Systemen, die im Praxisalltag eher bremsen als helfen. Patienten erleben ein Gesundheitswesen, das hinter ihren digitalen Alltagserfahrungen zurückbleibt.

Dieser Artikel ordnet die wichtigsten Ergebnisse des Reports ein und fragt, was die Zahlen für Praxen bedeuten, die über digitale Angebote wie die Videosprechstunde nachdenken.

Die Patientenperspektive: Erwartung trifft auf Realität

Der wohl deutlichste Indikator für die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Nur 35 Prozent der Patienten finden die Terminsuche einfach (Digital Health Report 2026). Das heißt im Umkehrschluss, dass fast zwei Drittel aller Patienten bereits am ersten Kontaktpunkt mit einer Praxis frustriert sind.

Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass Online-Banking, Reisebuchungen und selbst Behördengänge inzwischen digital funktionieren. Patienten vergleichen ihre Erfahrung mit dem Gesundheitswesen nicht mit anderen Praxen, sondern mit dem gesamten digitalen Alltag.

Was Patienten konkret erleben

Die Frustration beginnt bei der Terminvergabe und setzt sich fort:

  • Telefonschleifen, die an Bürozeiten gebunden sind
  • Fehlende Online-Terminbuchung oder umständliche Portale
  • Papierformulare im Wartezimmer, obwohl die Daten bereits digital vorliegen
  • Befunde per Post statt digital

Die Videosprechstunde gehört zu den digitalen Angeboten, die Patienten als selbstverständlich erwarten. Wer heute einen Arzttermin bucht und dabei die Option einer Videokonsultation hat, empfindet das nicht als Innovation, sondern als Normalität.

Die Arztperspektive: Hilfreich ja, aber nicht um jeden Preis

Die 79 Prozent Zustimmung der Ärzte zu digitalen Anwendungen (Digital Health Report 2026) klingt zunächst eindeutig positiv. Aber der Report zeigt auch die Kehrseite: Viele Ärzte unterscheiden klar zwischen Tools, die ihnen im Behandlungsalltag helfen, und digitaler Bürokratie, die zusätzliche Zeit kostet.

Hilfreiche Tools vs. bürokratischer Overhead

In der Praxis ergibt sich ein differenziertes Bild. Ärzte schätzen digitale Anwendungen dort, wo sie spürbar Zeit sparen oder die Behandlungsqualität verbessern: elektronische Befundübermittlung, strukturierte Dokumentation, Videosprechstunden für Verlaufskontrollen.

Gleichzeitig erleben viele die Digitalisierung als zusätzliche Belastung, wenn neue Systeme schlecht in bestehende Praxisabläufe integriert sind, ständige Updates erfordern oder die Dokumentationspflichten eher steigern als reduzieren.

Die ehrliche Einschränkung: Die bloße Existenz eines digitalen Tools macht eine Praxis nicht effizienter. Entscheidend ist, ob das Tool in den bestehenden Workflow passt oder einen neuen Workflow erzwingt.

Videosprechstunde im Praxisalltag testen

Sehen Sie MeetOne in Aktion

Demo buchen

Die Videosprechstunde: Eines der ausgereiftesten digitalen Instrumente

Im Vergleich zu vielen anderen digitalen Gesundheitsanwendungen ist die Videosprechstunde technisch und regulatorisch vergleichsweise weit. Die KBV-Zertifizierung schafft einen definierten Rahmen, die Abrechnungsmöglichkeiten über EBM-Ziffern sind etabliert, und die technischen Anforderungen an Praxen sind gering.

Trotzdem ist die Videosprechstunde noch nicht im Mainstream angekommen. Die Gründe sind weniger technischer als organisatorischer Natur:

  • Unklarheit darüber, welche Behandlungssituationen sich eignen
  • Fehlende Einbindung in die Terminplanung
  • Unsicherheit bei der Abrechnung
  • Gewohnheit: "Das haben wir schon immer so gemacht"

Wo die Videosprechstunde konkret Mehrwert bietet

Für bestimmte Behandlungssituationen ist die Videosprechstunde bereits heute ein bewährtes Werkzeug. Verlaufskontrollen bei chronisch erkrankten Patienten, Befundbesprechungen, psychotherapeutische Sitzungen oder Nachsorgetermine nach operativen Eingriffen lassen sich per Video effizient und patientenfreundlich abbilden.

Auch aus Praxissicht ergeben sich konkrete Vorteile: geringere Ausfallquoten bei Terminen, da die Hürde einer Videokonsultation niedriger ist als der physische Praxisbesuch. Flexiblere Zeiteinteilung, weil Videosprechstunden auch außerhalb der regulären Sprechzeiten angeboten werden können. Und nicht zuletzt ein Angebot, das Patienten zunehmend als selbstverständlich betrachten.

Die ehrliche Einschränkung: Die Videosprechstunde ersetzt nicht die körperliche Untersuchung. Nicht jeder Behandlungsanlass ist geeignet, und nicht jeder Patient hat die technischen Voraussetzungen oder die Bereitschaft. Praxen, die mit der Videosprechstunde starten, sollten realistisch planen: Es geht nicht darum, alle Termine digital abzuwickeln, sondern darum, gezielt dort Video anzubieten, wo es für beide Seiten sinnvoll ist.

KI im Gesundheitswesen: Zwischen Offenheit und Wildwuchs

Ein besonders aufschlussreiches Ergebnis des Reports: Fast zwei Drittel der Befragten würden ihre Gesundheitsdaten mit KI-Systemen teilen, wenn dies freiwillig geschieht und jederzeit widerrufbar ist (Digital Health Report 2026).

Das zeigt eine bemerkenswerte Offenheit. Patienten sind nicht grundsätzlich gegen den Einsatz von KI in der Medizin. Sie wollen aber die Kontrolle behalten. Freiwilligkeit und Widerrufbarkeit sind die entscheidenden Bedingungen.

Das Phänomen "Schatten-KI"

Weniger diskutiert, aber für Praxen hochrelevant: Der Report beschreibt das Phänomen der "Schatten-KI" (Digital Health Report 2026). Mitarbeiter im Gesundheitswesen nutzen bereits private KI-Tools wie ChatGPT oder ähnliche Dienste im Arbeitsalltag, ohne dass dies offiziell geregelt ist.

Das betrifft verschiedene Bereiche:

  • Formulierungshilfen für Arztbriefe
  • Recherche zu Differentialdiagnosen
  • Übersetzungshilfen für fremdsprachige Patienten
  • Zusammenfassungen von Fachliteratur

Die ehrliche Einschränkung: Schatten-KI ist kein Randphänomen. Wenn Mitarbeiter privat verfügbare KI-Tools als nützlich erleben, nutzen sie diese, ob die Praxisleitung davon weiß oder nicht. Das ist aus Datenschutzsicht problematisch, weil Patientendaten in nicht kontrollierte Systeme gelangen können.

Für Praxen bedeutet das: Statt KI-Nutzung zu ignorieren oder zu verbieten, ist eine klare Regelung sinnvoller. Welche Tools dürfen genutzt werden? Welche Daten dürfen eingegeben werden? Wo liegt die Grenze? Eine schriftliche Richtlinie, die diese Fragen beantwortet, schützt sowohl die Praxis als auch die Mitarbeiter. Denn wer keine Regeln aufstellt, kann auch nicht erwarten, dass die Nutzung kontrolliert verläuft.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, was die generelle Bereitschaft der Patienten zur KI-Nutzung für die Videosprechstunde bedeutet: Wenn Patienten grundsätzlich offen für digitale und KI-gestützte Gesundheitsangebote sind, sinkt auch die Hemmschwelle gegenüber anderen digitalen Formaten wie der Videokonsultation. Digitale Kompetenz und Akzeptanz wachsen nicht isoliert, sondern als Gesamtbild.

Fragen zur digitalen Praxisorganisation

Wir beantworten alle Ihre Fragen

Kontakt aufnehmen

Was die Zahlen für Praxen bedeuten

Der Digital Health Report 2026 zeichnet kein schwarz-weißes Bild. Er zeigt, dass Digitalisierung im Gesundheitswesen gewollt ist, von beiden Seiten. Aber die Umsetzung frustriert.

Für Praxen ergeben sich daraus drei konkrete Überlegungen

Erstens: Patienten vergleichen mit ihrem digitalen Alltag. Die Erwartung an digitale Verfügbarkeit steigt nicht, weil Patienten ungeduldig sind, sondern weil sie in allen anderen Lebensbereichen digital agieren. Praxen, die digitale Kontaktpunkte anbieten, ob Online-Terminbuchung oder Videosprechstunde, entsprechen dieser Erwartung.

Zweitens: Nicht jedes digitale Tool ist ein Gewinn. Die hohe Zustimmung der Ärzte gilt konkreten, nützlichen Anwendungen. Wo Digitalisierung zusätzliche Bürokratie schafft, kehrt sich der Effekt um. Es lohnt sich, neue Tools kritisch zu prüfen: Spart es tatsächlich Zeit, oder verlagert es nur Aufwand?

Drittens: KI ist bereits in der Praxis, ob gewollt oder nicht. Das Schatten-KI-Phänomen zeigt, dass eine proaktive Haltung sinnvoller ist als Ignorieren. Klare Regeln schützen Patientendaten und geben Mitarbeitern Orientierung.

Der rote Faden: Kontrolle und Vertrauen

Durch alle Ergebnisse des Reports zieht sich ein gemeinsames Thema: Sowohl Ärzte als auch Patienten wollen Digitalisierung, aber sie wollen die Kontrolle darüber behalten. Patienten wollen selbst entscheiden, ob sie ihre Daten mit KI teilen. Ärzte wollen Tools, die in ihren Workflow passen, statt Workflows, die sich an Tools anpassen müssen.

Für Anbieter digitaler Gesundheitslösungen ist das ein klares Signal. Technologie, die den Nutzern Kontrolle gibt, statt sie zu bevormunden, hat die besseren Chancen auf nachhaltige Akzeptanz. Das gilt für KI-Anwendungen ebenso wie für die Videosprechstunde: Je transparenter die Technik funktioniert und je mehr Kontrolle Ärzte und Patienten über den Prozess haben, desto höher die Bereitschaft zur Nutzung.

Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick

  • 70 % der Patienten empfinden die Digitalisierung im Gesundheitswesen als zu langsam
  • 79 % der Ärzte bewerten digitale Anwendungen als hilfreich
  • Nur 35 % der Patienten finden die Terminsuche einfach
  • Fast 2/3 würden Gesundheitsdaten mit KI teilen, unter klaren Bedingungen
  • Schatten-KI ist in Praxen bereits Realität
Beratung vereinbaren

Fazit

Der Digital Health Report 2026 bestätigt, was viele im Gesundheitswesen spüren: Der Wille zur Digitalisierung ist da, aber die Umsetzung hinkt den Erwartungen beider Seiten hinterher. Für Praxen bedeutet das, digitale Angebote gezielt dort einzusetzen, wo sie echten Mehrwert schaffen, sei es durch weniger Verwaltungsaufwand, bessere Erreichbarkeit oder zeitgemäße Patientenkommunikation. Die Videosprechstunde ist dabei einer der niedrigschwelligsten Einstiege, kein Allheilmittel, aber ein konkreter Schritt.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Alle zitierten Zahlen stammen aus dem Digital Health Report 2026.