Die Ausgangslage
Vor der Pandemie war die Videosprechstunde eine Randerscheinung. Heute nutzen sie laut KBV-Statistiken regelmäßig mehrere tausend Praxen in Deutschland. Die Frage ist nicht mehr, ob Telemedizin funktioniert, sondern wofür sie sich eignet – und wofür nicht.
Wo Videosprechstunden funktionieren
Nachsorge und Kontrollen
Bei vielen Kontrollterminen ist der eigentliche körperliche Untersuchungsbedarf gering. Das Gespräch steht im Vordergrund:
- Besprechung von Laborwerten nach einer Blutuntersuchung
- Kontrolle des Therapieverlaufs bei bekannten Erkrankungen
- Nachsorge nach ambulanten Eingriffen, wenn die Wundheilung unkompliziert verläuft
- Medikamentenanpassungen bei stabilen Patienten
In diesen Fällen spart die Videosprechstunde beiden Seiten Zeit, ohne die Versorgungsqualität zu beeinträchtigen.
Beratungsgespräche
Reine Beratungstermine – etwa zur Aufklärung vor einem geplanten Eingriff oder zur Besprechung von Therapieoptionen – lassen sich oft gut digital durchführen. Der Patient kann in gewohnter Umgebung Fragen stellen, ohne vorher anreisen zu müssen.
Akute, aber nicht dringliche Anliegen
Manchmal möchten Patienten schnell eine ärztliche Einschätzung, ohne dass ein Notfall vorliegt:
- Eine Hautveränderung, die beunruhigt
- Nebenwirkungen eines neuen Medikaments
- Fragen zu Symptomen, die nicht akut bedrohlich erscheinen
Hier kann eine kurze Videokonsultation klären, ob ein Praxisbesuch nötig ist – oder ob Entwarnung gegeben werden kann.
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Wo Videosprechstunden an Grenzen stoßen
Körperliche Untersuchungen
Das Offensichtliche zuerst: Auskultation, Palpation, Blutdruckmessung, Reflexprüfung – all das erfordert die physische Anwesenheit des Patienten. Keine Kamera ersetzt die Hand des Arztes.
Erstdiagnosen bei unklaren Beschwerden
Wenn ein Patient mit diffusen Symptomen kommt, die noch keiner Diagnose zugeordnet sind, ist die persönliche Untersuchung meist unverzichtbar. Die Videosprechstunde kann hier allenfalls eine Vorbesprechung sein.
Notfälle
Selbstverständlich ersetzt die Videosprechstunde keinen Notarzt. Bei akuten, potentiell lebensbedrohlichen Situationen ist der persönliche Kontakt zwingend.
Patienten ohne digitale Kompetenz
Nicht jeder Patient kann oder will eine Videosprechstunde nutzen. Ältere Patienten ohne Smartphone, Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder schlicht technische Hürden können die Nutzung erschweren.
Was sich für Patienten ändert
Weniger Fahrtwege
Für Patienten in ländlichen Regionen oder mit eingeschränkter Mobilität bedeutet die Videosprechstunde: keine langen Anfahrten für ein 10-Minuten-Gespräch. Das ist besonders relevant für chronisch Kranke, die regelmäßige Kontrolltermine haben.
Flexiblere Terminzeiten
Viele Praxen bieten Videosprechstunden zu Randzeiten an – früh morgens oder am späten Nachmittag. Berufstätige können so Arzttermine wahrnehmen, ohne Urlaub zu nehmen.
Kürzere Wartezeiten
In der Videosprechstunde entfällt das Wartezimmer. Der Termin beginnt, wenn beide Seiten bereit sind. Das spart Zeit und reduziert den Kontakt mit anderen (möglicherweise kranken) Patienten.
Was sich für Ärzte ändert
Andere Taktung des Praxistages
Videosprechstunden lassen sich anders planen als Präsenztermine. Viele Ärzte nutzen sie für Zeitfenster, in denen die Praxis sonst geschlossen wäre, oder um Wartezeiten zwischen Präsenzterminen zu füllen.
Veränderte Kommunikation
Die Kommunikation per Video ist anders als im Sprechzimmer. Manche Ärzte berichten, dass Patienten am Bildschirm fokussierter sind. Andere vermissen die nonverbalen Signale, die man nur im direkten Kontakt wahrnimmt.
Dokumentation
Die Dokumentationspflichten bleiben dieselben wie bei Präsenzterminen. MeetOne protokolliert automatisch Datum, Uhrzeit und Dauer der Konsultation – die medizinische Dokumentation liegt weiterhin beim Arzt.
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Das Hybridmodell als Praxis
Die meisten Praxen, die Telemedizin erfolgreich einsetzen, fahren ein Hybridmodell: Bestimmte Termine finden per Video statt, andere vor Ort. Die Entscheidung hängt vom konkreten Anlass ab.
Typische Aufteilung:
Ersttermine und Untersuchungen finden in der Praxis statt. Folgetermine zur Befundbesprechung oder Therapiekontrolle können per Video erfolgen – sofern Patient und Arzt einverstanden sind.
Diese Mischung erhöht die Kapazität der Praxis, ohne dass neue Räume oder Personal nötig wären. Gleichzeitig bleibt die persönliche Betreuung für die Fälle erhalten, die sie erfordern.
Abrechnung und Vergütung
Videosprechstunden sind über den EBM abrechenbar. Die Vergütung entspricht weitgehend der für Präsenztermine, mit einigen Besonderheiten.
Wichtige EBM-Ziffern für die Videosprechstunde
- GOP 01450 – Technischer Zuschlag Videosprechstunde (ca. 4,33 €), einmal pro Behandlungsfall
- GOP 01451 – Zusätzlicher technischer Zuschlag bei mehreren Videokontakten im Quartal
- Reguläre Gesprächsleistungen – Die üblichen Konsultationsziffern (z.B. GOP 03000, 04000) können auch per Video abgerechnet werden
Einschränkungen:
- Nicht alle Leistungen sind per Video abrechenbar – körperliche Untersuchungen erfordern weiterhin Präsenz
- Es gibt Obergrenzen für den Anteil an Videosprechstunden am Gesamtvolumen
- Die technischen Voraussetzungen müssen erfüllt sein (KBV-zertifizierter Anbieter)
MeetOne ist als Videodienstanbieter KBV-zertifiziert, sodass die Abrechnungsfähigkeit gewährleistet ist.
Datenschutz als Voraussetzung
Ärztliche Kommunikation unterliegt strengen Datenschutzanforderungen. Das gilt für die Videosprechstunde genauso wie für das Gespräch im Sprechzimmer – mit dem Unterschied, dass bei der digitalen Variante technische Maßnahmen nötig sind.
Die KBV verlangt von zertifizierten Anbietern Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und Server in Deutschland oder der EU. MeetOne geht einen Schritt weiter: Durch die Peer-to-Peer-Architektur laufen die Video- und Audiostreams gar nicht erst über zentrale Server, sondern direkt zwischen Arzt und Patient.
Fazit
Telemedizin ist kein Ersatz für die Präsenzmedizin, sondern eine Ergänzung. Sie funktioniert dort gut, wo das Gespräch im Vordergrund steht und keine körperliche Untersuchung nötig ist.
Für Patienten bedeutet sie weniger Aufwand bei bestimmten Terminen. Für Ärzte eine Möglichkeit, ihre Zeit effizienter zu nutzen. Für beide Seiten eine Option – keine Verpflichtung.
Die Frage ist nicht "Telemedizin oder nicht?", sondern "Wofür Telemedizin – und wofür nicht?"
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Dieser Artikel gibt einen Überblick über die praktischen Aspekte der Telemedizin und ersetzt keine individuelle Beratung.