Warum ein Anbietervergleich schwieriger ist, als er aussieht
Wer nach einem Videodienstanbieter für die Praxis sucht, findet schnell die KBV-Liste mit zertifizierten Anbietern. Über 100 Einträge stehen dort. Das klingt nach großer Auswahl – ist es aber nicht.
Ein genauerer Blick zeigt: Viele Einträge sind regionale Varianten desselben Anbieters, White-Label-Lösungen oder Dienste, die sich primär an Kliniken und nicht an niedergelassene Ärzte richten. Die tatsächliche Auswahl für eine typische Arztpraxis reduziert sich auf eine überschaubare Anzahl von Anbietern.
Dieser Artikel vergleicht die wichtigsten Optionen für niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten – sachlich, ohne Marketing-Versprechen und mit Blick auf die Fragen, die in der Praxis tatsächlich relevant sind.
Die KBV-Zertifizierung: Notwendig, aber nicht ausreichend
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung führt eine Liste zertifizierter Videodienstanbieter nach Anlage 31b BMV-Ä. Nur diese Anbieter dürfen für die GKV-Abrechnung von Videosprechstunden genutzt werden.
Was die Zertifizierung prüft
Die KBV-Zertifizierung stellt sicher, dass ein Anbieter bestimmte Mindestanforderungen erfüllt:
- Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Kommunikation
- Serverstandort in Deutschland oder der EU
- Keine Datenweitergabe an Dritte
- Dokumentation der technischen Sicherheitsmaßnahmen
- Einhaltung der DSGVO-Anforderungen
Was die Zertifizierung nicht sagt
Die KBV-Zertifizierung ist ein Mindeststandard – keine Qualitätsgarantie. Sie sagt nichts über:
- Die tatsächliche technische Architektur (Server-basiert vs. Peer-to-Peer)
- Die Benutzerfreundlichkeit für Arzt und Patient
- Den Funktionsumfang
- Die Preisgestaltung
- Die Qualität des Supports
Kurz: Ein Anbieter kann KBV-zertifiziert sein und trotzdem für Ihre Praxis ungeeignet.
Warum Zoom, Teams & Co. nicht in diesem Vergleich sind
Für die Abrechnung von Videosprechstunden über die KV ist ein KBV-zertifizierter Anbieter Pflicht. Allgemeine Videokonferenz-Tools wie Zoom, Google Meet, Microsoft Teams, Jitsi (selbst gehostet) oder NextCloud Talk erfüllen diese Anforderung nicht – unabhängig davon, wie gut ihre Verschlüsselung oder Funktionalität ist.
Dieser Vergleich konzentriert sich daher ausschließlich auf Anbieter, die nach Anlage 31b BMV-Ä zertifiziert sind und für die GKV-Abrechnung genutzt werden können.
Die Realität hinter der langen Liste
Die KBV-Liste enthält über 100 Einträge. Das täuscht jedoch über die tatsächliche Marktsituation hinweg:
Viele Einträge sind keine eigenständigen Anbieter:
- Regionale Kassenärztliche Vereinigungen mit eigenen Portalen (oft auf derselben Technik basierend)
- Praxissoftware-Hersteller, die Videomodule integriert haben
- White-Label-Lösungen, die dieselbe Technik unter verschiedenen Namen anbieten
- Klinik-orientierte Lösungen, die für Einzelpraxen nicht verfügbar oder unpraktisch sind
Die relevante Auswahl für niedergelassene Praxen reduziert sich auf etwa ein Dutzend Anbieter, die:
- sich aktiv an niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten richten
- als eigenständige Lösung nutzbar sind (nicht nur als Modul einer Praxissoftware)
- über eine eigene Infrastruktur verfügen
- transparent über Preise und Funktionen informieren
Die wichtigsten Anbieter im Überblick
Im Folgenden werden die relevantesten Anbieter für niedergelassene Praxen vorgestellt. Die Auswahl basiert auf Marktpräsenz, Verfügbarkeit und Relevanz für den ambulanten Bereich.
Übersicht der Kernmerkmale
| Anbieter | Architektur | Zielgruppe | Preismodell |
|---|---|---|---|
| MeetOne | Peer-to-Peer (SFU in Beta) | Alle Fachrichtungen | Pro Nutzer/Monat oder Pay-per-Call |
| arztkonsultation.de | Peer-to-Peer | Breites Spektrum, auch Kliniken | Pro Nutzer/Monat |
| Consularia | SFU mit E2EE (DigitalSamba) | Psychotherapeuten, Coaches | Pro Nutzer/Monat |
| sprechstunde.online | Server-basiert (Jitsi), E2EE laut KBV | Niedergelassene Ärzte | Pro Nutzer/Monat |
| Doctolib | Server-basiert (SFU) | Ärzte mit Terminbuchung | Im Terminmanagement enthalten |
| CGM ELVI | Server-basiert (SFU) | CGM-Praxissoftware-Nutzer | Als Modul der PVS |
MeetOne
Technische Architektur: Peer-to-Peer mit verschlüsseltem TURN-Fallback; SFU mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in Private Beta
MeetOne nutzt eine andere technische Basis als die meisten Wettbewerber. Statt Video- und Audioströme über einen zentralen Server zu leiten, kommunizieren Arzt und Patient direkt miteinander. Bei schwierigen Netzwerkbedingungen springt ein TURN-Server als Relay ein – die Daten bleiben dabei Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Für größere Gruppen befindet sich eine SFU-Lösung mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in der Private Beta.
Vorteile:
- Echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ohne technische Zugriffsmöglichkeit des Anbieters
- Moderne, intuitive Benutzeroberfläche
- Kein App-Download für Patienten erforderlich
- Integrierte Terminbuchung für Patienten
- Video-API zur Integration in Drittsysteme verfügbar
- Flexible Preismodelle (Pauschale oder Pay-per-Call)
- Deutsche Server, deutsches Unternehmen
- Warteraum-Funktion für organisiertes Patientenmanagement
Einschränkungen:
- Peer-to-Peer für große Gruppenkonferenzen (mehr als 6 Teilnehmer) weniger geeignet (SFU in Beta)
Preisgestaltung: 9 €/Monat pro Account (jährlich) oder 19 €/Monat (monatlich kündbar). On-Demand: 2,90 € pro Termin. Video-API ab 0,01 € pro Teilnehmerminute. Kostenlose Testphase verfügbar.
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arztkonsultation.de
Technische Architektur: Peer-to-Peer
arztkonsultation.de ist einer der etablierten Anbieter am deutschen Markt und wird von der Deutschen Arzt AG betrieben. Die Lösung richtet sich an ein breites Spektrum von Ärzten und wird auch von einigen Kassenärztlichen Vereinigungen als Partnerlösung angeboten. Wie MeetOne setzt arztkonsultation.de auf eine Peer-to-Peer-Architektur.
Vorteile:
- Etablierter Anbieter mit langer Marktpräsenz
- Peer-to-Peer-Architektur für hohe Vertraulichkeit
- Breite Akzeptanz und Bekanntheit
- Integration mit verschiedenen Praxissystemen möglich
- Funktionen für Dokumentenaustausch
Einschränkungen:
- Wie bei allen P2P-Lösungen: Begrenzte Teilnehmerzahl bei Gruppenkonferenzen
- Benutzeroberfläche wirkt teilweise veraltet
Preisgestaltung: Drei klar kommunizierte Pakete: Basic (19 €/Monat), Advanced (49 €/Monat), Professional (249 €/Monat). Keine zusätzlichen Kosten pro Videosprechstunde.
Consularia
Technische Architektur: Server-basiert (SFU) mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, basierend auf DigitalSamba
Consularia positioniert sich gezielt im Bereich Psychotherapie und Coaching. Die Lösung nutzt die Videoinfrastruktur des Drittanbieters DigitalSamba und bietet spezifische Funktionen für therapeutische Gespräche.
Vorteile:
- Speziell auf Psychotherapeuten zugeschnitten
- Ende-zu-Ende-Verschlüsselung trotz SFU-Architektur
- Warteraum und Terminmanagement integriert
- Dokumentenfunktion für Arbeitsblätter und Übungen
Einschränkungen:
- Benutzeroberfläche wirkt funktional, aber nicht immer intuitiv
- Abhängigkeit von Drittanbieter (DigitalSamba) für Videoinfrastruktur
- Fokus auf Einzeltherapie, weniger auf medizinische Anwendungsfälle
- Für Ärzte mit breitem Leistungsspektrum möglicherweise zu spezialisiert
Preisgestaltung: Basic ab 12,52 €/Monat (50 Videosprechstunden), Basic+ 16,72 €/Monat (inkl. Gruppen), Unlimited 25,13 €/Monat (unbegrenzt). 30 Tage kostenlos testen.
sprechstunde.online
Technische Architektur: Server-basiert (SFU), basierend auf Jitsi, mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gemäß KBV-Zertifizierung
sprechstunde.online nutzt im Unterbau die Open-Source-Lösung Jitsi. Als KBV-zertifizierter Anbieter erfüllt sprechstunde.online die Anforderung an Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Die Plattform richtet sich an niedergelassene Ärzte und bietet eine webbasierte Lösung ohne App-Installation für Patienten.
Vorteile:
- Webbasiert, keine App-Installation nötig
- Basiert auf bewährter Open-Source-Technologie (Jitsi)
Einschränkungen:
- Benutzeroberfläche und Bedienkonzept wirken in die Jahre gekommen
- Server-basierte Architektur (SFU) – der Anbieter betreibt die Infrastruktur
- Jitsi unterstützt E2EE, aber mit Einschränkungen je nach Implementierung
Preisgestaltung: Expert ab 12,90 €/Monat (1 Nutzer), Business ab 38,06 €/Monat (3 Nutzer), Enterprise ab 249,90 €/Monat (20 Nutzer). 14 Tage kostenlos testen.
Doctolib
Technische Architektur: Server-basiert (SFU)
Doctolib ist primär eine Plattform für Online-Terminbuchung und Patientenkommunikation. Die Videosprechstunde ist kein eigenständiges Produkt, sondern ausschließlich in Verbindung mit der Doctolib-Praxissoftware nutzbar.
Vorteile:
- Nahtlose Integration mit Terminbuchung
- Hohe Bekanntheit bei Patienten
- Erinnerungsfunktionen und Patientenkommunikation inklusive
- Große Nutzerbasis
Einschränkungen:
- Keine Stand-alone-Nutzung möglich – nur mit Doctolib-Software
- Server-basierte Architektur mit Sitz in Frankreich
- Datenschutzdiskussionen wegen Umfang der Datenverarbeitung
- Vollständige Bindung an das Doctolib-Ökosystem
Preisgestaltung: Teil des Doctolib-Abonnements, keine separate Videopreisgestaltung.
CGM ELVI (CompuGroup Medical)
Technische Architektur: Server-basiert (SFU)
CGM ELVI ist das Videosprechstunden-Modul der CompuGroup Medical, einem der größten Anbieter von Praxissoftware in Deutschland. Es richtet sich primär an Praxen, die bereits CGM-Produkte wie ALBIS oder MEDISTAR nutzen.
Vorteile:
- Integration in bestehende CGM-Praxissoftware
- Einheitliche Oberfläche für PVS-Nutzer
- Große Installationsbasis
Einschränkungen:
- Primär für CGM-Kunden relevant
- Als Stand-alone-Lösung weniger attraktiv
- Server-basierte Architektur
- Abhängigkeit vom CGM-Ökosystem
Preisgestaltung: Als Modul der Praxissoftware, Preise variieren je nach bestehendem Vertrag.
Technische Unterschiede: Warum die Architektur wichtig ist
Die meisten Vergleiche konzentrieren sich auf Funktionen und Preise. Für Ärzte als Berufsgeheimnisträger ist jedoch ein anderer Aspekt mindestens ebenso relevant: Wer hat technisch Zugriff auf die Kommunikation? Eine ausführliche Erläuterung dieses Themas finden Sie in unserem Artikel Videokonferenzen für Geheimnisträger.
Server-basierte Architektur (SFU)
Die Mehrheit der Anbieter nutzt eine SFU (Selective Forwarding Unit). Dabei laufen alle Video- und Audiostreams über einen zentralen Server:
- Der Server empfängt die Streams aller Teilnehmer
- Der Server entscheidet, welche Streams an wen weitergeleitet werden
- Der Server kann Funktionen wie Aufzeichnung oder Transkription ermöglichen
Konsequenz: Der Betreiber hat technisch die Möglichkeit, auf die Kommunikation zuzugreifen. Das ist keine Unterstellung böser Absichten, sondern eine technische Tatsache. Ob das für Ihre Praxis relevant ist, hängt von Ihrer Risikoeinschätzung ab.
Peer-to-Peer-Architektur
Bei Peer-to-Peer-Lösungen kommunizieren die Teilnehmer direkt miteinander:
- Die Daten fließen vom Gerät des Arztes direkt zum Gerät des Patienten
- Kein zentraler Server sieht die Kommunikationsinhalte
- Der Anbieter kann technisch nicht mitlesen – selbst wenn er wollte
Konsequenz: Höheres Datenschutzniveau, aber technische Einschränkungen bei größeren Gruppen (da jedes Gerät alle Streams verarbeiten muss).
Was bedeutet das praktisch?
Für die meisten Anwendungsfälle in der Praxis – Einzelgespräche mit Patienten, Angehörigengespräche, kleine Fallbesprechungen – funktionieren beide Architekturen. Der Unterschied liegt im Datenschutzniveau:
- Wenn Sie maximale Vertraulichkeit wollen: Peer-to-Peer ist die technisch sicherere Wahl.
- Wenn Sie große Gruppenkonferenzen brauchen: Server-basierte Lösungen sind praktikabler.
- Wenn Sie die Videosprechstunde in ein größeres Ökosystem einbinden wollen: Die Integration mit Praxissoftware oder Terminbuchung kann wichtiger sein als die Architektur.
Vergleich nach Anwendungsfall
Nicht jeder Anbieter passt zu jeder Praxis. Die Wahl hängt von Ihren spezifischen Anforderungen ab.
Für Psychotherapeuten
| Kriterium | Empfehlung |
|---|---|
| Spezialisierung auf Therapie | Consularia, MeetOne |
| Maximaler Datenschutz | MeetOne, arztkonsultation.de, Consularia, sprechstunde.online |
| Kostenloser Einstieg | MeetOne, arztkonsultation.de, Consularia, sprechstunde.online |
| Integrierte Terminbuchung | Doctolib, MeetOne, arztkonsultation.de, Consularia, sprechstunde.online |
Psychotherapeuten haben besonders hohe Anforderungen an Vertraulichkeit. Die Peer-to-Peer-Architektur von MeetOne bietet hier einen strukturellen Vorteil. Consularia punktet mit spezifischen Funktionen für therapeutische Arbeit. Mehr zu den besonderen Anforderungen für Psychotherapeuten lesen Sie in unserem Artikel Videosprechstunde für Psychotherapeuten.
Für Hausärzte und Allgemeinmediziner
| Kriterium | Empfehlung |
|---|---|
| Integration mit PVS | CGM ELVI (für CGM-Nutzer) |
| Patientenbekanntheit | Doctolib |
| Einfacher Einstieg | MeetOne, arztkonsultation.de, Consularia, sprechstunde.online |
| Datenschutz-Fokus | MeetOne, arztkonsultation.de, Consularia, sprechstunde.online |
| Flexible Preise / Pay-per-Call | MeetOne |
Hausärzte nutzen die Videosprechstunde oft für Folgekonsultationen und einfache Beratungen. Hier zählt vor allem die Praktikabilität: einfacher Zugang für Patienten, schnelle Verbindung, zuverlässige Technik. Bei schwankendem Videosprechstunden-Aufkommen kann ein flexibles Preismodell ohne monatliche Fixkosten sinnvoll sein.
Für Fachärzte
| Kriterium | Empfehlung |
|---|---|
| Konsiliarische Gespräche | MeetOne, arztkonsultation.de (Peer-to-Peer) |
| Breite Patientenbasis | arztkonsultation.de, Doctolib |
| Integration in Klinikstrukturen | MeetOne, arztkonsultation.de, sprechstunde.online |
| API für eigene Systeme | MeetOne, arztkonsultation.de, sprechstunde.online |
Je nach Fachrichtung unterscheiden sich die Anforderungen erheblich. Psychiater haben ähnliche Anforderungen wie Psychotherapeuten, während andere Fachrichtungen stärker auf Integration und Patientenreichweite achten. Für Praxen mit eigener Software oder speziellen Workflows bietet eine offene Video-API zusätzliche Flexibilität.
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Preisvergleich: Was kostet die Videosprechstunde?
Die Preismodelle der Anbieter unterscheiden sich erheblich. Ein direkter Vergleich ist schwierig, da die Leistungsumfänge variieren.
Typische Preisstrukturen
| Modell | Beispiel | Charakteristik |
|---|---|---|
| Monatliche Pauschale | MeetOne, arztkonsultation.de, Consularia, sprechstunde.online | Feste Kosten, planbar |
| Pay-per-Call / On-Demand | MeetOne | Zahlung pro Termin, keine Fixkosten |
| Ökosystem-Preis | Doctolib, CGM ELVI | Teil eines größeren Pakets |
Worauf bei den Kosten achten?
- Mindestvertragslaufzeit: Einige Anbieter binden Sie für 12 oder 24 Monate.
- Preis pro Nutzer vs. pro Praxis: Bei mehreren Behandlern macht das einen großen Unterschied.
- Versteckte Kosten: Setup-Gebühren, Schulungen, Support-Pakete.
- Kündigungsfristen: Wie flexibel können Sie wechseln?
Kosten vs. Nutzen
Die günstigste Lösung ist nicht automatisch die beste Wahl. Relevante Fragen:
- Wie viele Videosprechstunden führen Sie pro Monat durch?
- Wie stark schwankt Ihr Videosprechstunden-Aufkommen? Bei variabler Nutzung kann ein Pay-per-Call-Modell wirtschaftlicher sein als eine monatliche Pauschale.
- Welchen Wert hat eingesparte Zeit durch bessere Bedienbarkeit?
- Was kostet Sie ein technischer Ausfall während einer wichtigen Konsultation?
- Wie wichtig ist Ihnen das Datenschutzniveau für Ihre Patienten?
Checkliste für die Anbieterwahl
Diese Fragen helfen bei der systematischen Bewertung. Eine ausführliche DSGVO-Checkliste mit Mustervorlagen finden Sie in unserem DSGVO-Leitfaden für Videosprechstunden.
Technische Anforderungen
- Ist der Anbieter KBV-zertifiziert?
- Welche technische Architektur wird genutzt (Server-basiert oder Peer-to-Peer)?
- Wo stehen die Server?
- Funktioniert die Lösung ohne App-Installation für Patienten?
- Wie stabil ist die Verbindungsqualität?
Praktische Anforderungen
- Wie einfach ist der Zugang für technisch weniger versierte Patienten?
- Gibt es eine Warteraum-Funktion?
- Können Dokumente ausgetauscht werden?
- Wie gut ist der Support erreichbar?
Wirtschaftliche Anforderungen
- Wie hoch sind die monatlichen Kosten?
- Gibt es eine kostenlose Testphase?
- Welche Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen gelten?
- Welche Zusatzkosten können entstehen?
Integration
- Lässt sich die Lösung in bestehende Praxissoftware integrieren?
- Gibt es eine Terminbuchungsfunktion oder Schnittstellen dazu?
- Wie werden Patientendaten verwaltet?
Die ehrlichen Einschränkungen jedes Ansatzes
Kein Anbieter ist perfekt. Hier die wichtigsten Einschränkungen der verschiedenen Ansätze:
Peer-to-Peer (wie MeetOne, arztkonsultation.de):
- Begrenzte Teilnehmerzahl bei Gruppenkonferenzen (MeetOne adressiert dies mit SFU-Option in Beta)
- Abhängig von der Internetqualität beider Seiten
- Keine serverseitigen Funktionen wie automatische Aufzeichnung
Server-basiert (wie die meisten Anbieter):
- Anbieter hat technisch Zugriffsmöglichkeit auf Kommunikation
- Bei Serverproblemen fallen alle Verbindungen aus
- Datenschutzrechtlich komplexer für Berufsgeheimnisträger
Ökosystem-Lösungen (Doctolib, CGM):
- Starke Bindung an einen Anbieter
- Wechsel zu anderen Lösungen aufwendig
- Datenschutz-Bedenken bei umfassender Datenverarbeitung
Zusammenfassung der wichtigsten Unterschiede
- KBV-Zertifizierung ist Pflicht für GKV-Abrechnung, aber kein Qualitätssiegel
- Technische Architektur bestimmt, wer auf Ihre Kommunikation zugreifen kann
- Peer-to-Peer bietet höchstes Datenschutzniveau, mit Einschränkungen bei Gruppengrößen
- Server-basiert ist flexibler bei Funktionen, aber der Anbieter hat Zugriffsmöglichkeit
- Die richtige Wahl hängt von Ihren spezifischen Anforderungen ab
Fazit
Der Markt für Videosprechstunden-Anbieter ist unübersichtlich. Die lange KBV-Liste täuscht über die tatsächliche Auswahl hinweg – für niedergelassene Praxen kommen nur wenige Anbieter ernsthaft in Frage.
Die wichtigste Entscheidung ist nicht, welcher Anbieter die längste Feature-Liste hat, sondern welcher zu Ihren Anforderungen passt:
- Datenschutz: Für Praxen mit hohem Vertraulichkeitsanspruch macht die technische Architektur einen echten Unterschied. Peer-to-Peer-Lösungen bieten hier strukturelle Vorteile.
- Flexibilität: Bei schwankendem Videosprechstunden-Aufkommen oder dem Wunsch nach Integration in eigene Systeme lohnt sich ein Blick auf flexible Preis- und API-Modelle.
- Ökosystem: Für Praxen, die die Videosprechstunde in eine bestehende Software einbinden wollen, zählt vor allem die Integration – mit dem Nachteil stärkerer Anbieterbindung.
Eine kostenlose Testphase – die die meisten Anbieter anbieten – ist der beste Weg, um herauszufinden, ob eine Lösung in Ihren Praxisalltag passt. Testen Sie dabei nicht nur die Technik, sondern auch den Patientenzugang: Wie einfach ist es für Ihre Patienten, an einer Videosprechstunde teilzunehmen?
Dieser Artikel dient der allgemeinen Orientierung bei der Anbieterwahl und ersetzt keine individuelle Beratung. Die genannten Informationen zu Anbietern können sich ändern. Stand: Februar 2026.