MeetOne Ratgeber

Videosprechstunde abrechnen: EBM-Ziffern und Voraussetzungen

Videosprechstunde nach EBM abrechnen 2026: GOP 01450 (ca. 5,10 €, max. 700 Punkte je Arzt), 01444, 01452, Pseudo-GOP 88220 und 50-Prozent-Regel.

Videosprechstunde abrechnen: EBM-Ziffern und Voraussetzungen

Die Videosprechstunde lässt sich über den EBM wie eine reguläre ärztliche oder psychotherapeutische Leistung abrechnen - ergänzt um einige Zuschläge und Sonderregeln, die in der Präsenzbehandlung keine Rolle spielen. Wer Technikzuschlag, Authentifizierung, Grundpauschale und die 50-Prozent-Regel kennt, verschenkt kein Honorar und vermeidet Rückforderungen.


Wer darf Videosprechstunden abrechnen

Zwei Voraussetzungen müssen erfüllt sein, bevor eine Videosprechstunde überhaupt abrechnungsfähig ist.

Erstens: Der genutzte Videodienstanbieter muss nach Anlage 31b zum Bundesmantelvertrag-Ärzte (BMV-Ä) zertifiziert sein. Diese Zertifizierung ist keine freiwillige Selbstverpflichtung, sondern Grundvoraussetzung für jede GKV-Abrechnung. Wird die Videosprechstunde über ein nicht-zertifiziertes Tool durchgeführt - etwa ein reguläres Videokonferenzprogramm ohne KBV-Zulassung -, entfällt die Abrechnungsfähigkeit vollständig, unabhängig davon, wie die Konsultation inhaltlich verlaufen ist. Was die Zertifizierung im Detail bedeutet und woran Sie einen zugelassenen Anbieter erkennen, erklärt der Artikel zur KBV-Zertifizierung. Welche zertifizierten Anbieter für Praxen infrage kommen und wie sie sich bei Technik und Preis unterscheiden, vergleicht der Artikel Videosprechstunde Anbieter Vergleich.

Zweitens: Je nach Kassenärztlicher Vereinigung ist eine Meldung oder Genehmigung erforderlich, bevor Sie abrechnen dürfen. Die Anforderungen unterscheiden sich zwischen den 17 KVen erheblich - manche verlangen gar keine Meldung, andere ein Anzeigeverfahren, wieder andere ein Genehmigungsverfahren mit Wartezeit. Eine vollständige Übersicht aller 17 KVen mit den jeweiligen Verfahren und Formularen finden Sie im Artikel Videosprechstunde bei der KV anmelden.

Zusätzlich benötigen Sie für jede Videosprechstunde die schriftliche Einwilligung des Patienten. Diese muss vor der ersten Sitzung vorliegen und über den Videodienstanbieter, die Datenverarbeitung sowie das Widerrufsrecht aufklären.

Die zentralen Abrechnungsziffern im Überblick

Für die Abrechnung der Videosprechstunde selbst kommen im Kern drei Elemente zusammen: ein Zuschlag für den technischen Mehraufwand, gegebenenfalls ein Zuschlag für die Authentifizierung unbekannter Patienten, und die eigentliche ärztliche oder psychotherapeutische Leistung mit einem Video-Kennzeichen.

Technikzuschlag GOP 01450

Bewertung 40 Punkte
Euro-Betrag (2026) ca. 5,10 €
Euro-Betrag (2025 zum Vergleich) ca. 4,96 €
Quartalsdeckelung 700 Punkte je Arzt und Quartal (ca. 89 €)
Vergütungsart Extrabudgetär bis Ende 2026 (außerhalb der MGV)
Voraussetzung KBV-zertifizierter Videodienstanbieter

Der Technikzuschlag GOP 01450 wird bei jeder Videosprechstunde zusätzlich zur eigentlichen Leistung fällig - er ist keine eigenständig abrechnungsfähige Position, sondern ergänzt die Grundleistung, das Gespräch oder die Therapiesitzung. Mit dem Orientierungspunktwert 2026 von ca. 12,74 Cent ergibt sich ein Betrag von ca. 5,10 Euro, gegenüber ca. 4,96 Euro im Vorjahr ein moderater Anstieg.

Die Quartalsdeckelung gilt je Arzt, nicht je Patient: Aus einem Punktzahlvolumen von 700 Punkten je abrechnendem Vertragsarzt werden alle Technikzuschläge eines Quartals vergütet (bis zum 30. Juni 2025 lag der Höchstwert bei 1.899 Punkten). Das entspricht rechnerisch 17,5 Videosprechstunden und rund 89 Euro je Arzt und Quartal. Wer mehr Videosprechstunden hält, erreicht die Grenze noch im laufenden Quartal. Nach der Begründung des Bewertungsausschusses soll die GOP 01450 bis zu diesem Höchstwert die Kosten für den zertifizierten Videodienstanbieter erstatten.

Bei Gruppentherapien gilt eine Sonderregel: Der Technikzuschlag wird nur einmal pro Sitzung abgerechnet, nicht pro Teilnehmer. Details zu Voraussetzungen, Dokumentationspflicht und häufigen Fehlern bei dieser Ziffer finden Sie im Artikel zum Technikzuschlag GOP 01450.

Authentifizierungszuschlag GOP 01444

Bewertung 10 Punkte
Euro-Betrag (2026) ca. 1,27 €
Voraussetzung Unbekannter Patient: weder im laufenden Quartal noch im Vorquartal persönlich in der Praxis
Berechnung einmal im Behandlungsfall
Vergütungsart Extrabudgetär bis Ende 2026 (außerhalb der MGV)
Befristung bis 31.12.2026

Die GOP 01444 gilt für unbekannte Patienten: Versicherte, die weder im laufenden Quartal noch im Vorquartal persönlich in der Praxis waren. Zu Beginn der Videosprechstunde hält der Patient die elektronische Gesundheitskarte in die Kamera, das Praxispersonal prüft die Identität und erfasst die Versichertendaten. Das betrifft in der Praxis vor allem Neupatienten, die erstmals per Video vorstellig werden, und Patienten, die länger nicht in der Praxis waren. War der Patient im laufenden Quartal oder im Vorquartal persönlich in der Praxis, lassen sich die bereits eingelesenen Daten übernehmen, dann entfällt der Zuschlag. Die GOP 01444 ist einmal im Behandlungsfall berechnungsfähig.

Der entscheidende Vorteil dieser Ziffer: Sie wird 2026 extrabudgetär vergütet, also außerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (MGV). Jede korrekt angesetzte GOP 01444 wird zum Preis der regionalen Euro-Gebührenordnung bezahlt - unabhängig von der Auszahlungsquote, mit der die KV die MGV im Quartal auszahlt. Die Befristung bis Ende 2026 sollten Praxen im Blick behalten: Eine Entscheidung über eine Verlängerung war bei Redaktionsschluss (Oktober 2026) nicht veröffentlicht. Aktuelle Beschlüsse veröffentlicht die KBV. Wie Sie die Authentifizierung korrekt dokumentieren und welche Fehler dabei häufig vorkommen, beschreibt der Artikel zur GOP 01444.

Zuschlag GOP 01452: strukturierte Versorgung bei reinen Videofällen

Bewertung 30 Punkte
Euro-Betrag (2026) ca. 3,82 €
Gültig seit 01.04.2025
Berechnung einmal im Behandlungsfall, wird von der KV zugesetzt
Vergütungsart Innerhalb der MGV, aus zweckgebundenen Mitteln für telemedizinische Zwecke

Die GOP 01452 ist ein Zuschlag zur Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale für die Vorhaltung einer strukturierten Anschlussversorgung nach § 10 der Anlage 31c zum BMV-Ä. Sie ist nur bei bekannten Patienten berechnungsfähig, also bei Versicherten, die in mindestens einem der letzten drei Vorquartale persönlich in der Praxis waren, und nur in Behandlungsfällen mit mindestens einem Videokontakt, aber ohne persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt. Die Praxis setzt die Ziffer nicht selbst an: Die zuständige Kassenärztliche Vereinigung setzt sie zu. Anders als die beiden anderen Zuschläge wird die GOP 01452 nicht extrabudgetär vergütet, sondern innerhalb der MGV: Der Bewertungsausschuss hat dafür Mittel genutzt, die er zweckgebunden für telemedizinische Anwendungen bereitgestellt hat (Beschluss 778, Teil C).

Für 2027 ändert sich die Finanzierung der GOP 01450 und der GOP 01444. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sieht vor, dass Leistungen, die bisher auf Empfehlung des Bewertungsausschusses außerhalb der MGV bezahlt wurden, ab dem 1. Januar 2027 innerhalb der MGV vergütet werden. Nach derzeitigem Stand sind beide Zuschläge davon betroffen, sofern der Bewertungsausschuss keine Ausnahme beschließt; ein solcher Beschluss ist bisher nicht veröffentlicht. Die GOP 01444 gibt es 2027 ohnehin nur, wenn ihre Befristung verlängert wird. Die GOP 01452 bleibt unverändert innerhalb der MGV.

Suffix V und W: die eigentliche Leistung

Technikzuschlag und Authentifizierung sind Zusatzpositionen. Die eigentliche Leistung - das Gespräch, die Beratung oder die Therapiesitzung - wird über die reguläre GOP der jeweiligen Fachgruppe abgerechnet, ergänzt um ein Suffix, das die Videoerbringung kennzeichnet:

  • Suffix V kennzeichnet eine Leistung, die per Video erbracht wurde
  • Suffix W wird bei bestimmten Gesprächsleistungen innerhalb einer Videositzung verwendet, vor allem in der Psychotherapie

Beispiele für videofähige Leistungen:

Leistung GOP Suffix
Problemorientiertes Gespräch (Hausarzt) 03230 V
Problemorientiertes Gespräch (Facharzt) 04230 V
Psychiatrisches Gespräch 21220, 21221 V
Psychotherapeutische Sprechstunde 35151 V, W
Probatorische Sitzung 35150 V, W
Einzeltherapie (alle Richtlinienverfahren) 35401-35435 V, W
Gruppentherapie (alle Richtlinienverfahren) 35503-35718 V, W

Nicht jede Gesprächsleistung trägt automatisch das Suffix V - die Videofähigkeit muss im EBM explizit vorgesehen sein. Welche Ziffern das in Ihrer Fachgruppe betrifft, lässt sich im EBM-Browser der KBV nachschlagen.

MeetOne als KBV-zertifizierten Videodienstanbieter kennenlernen

Erfahren Sie, wie MeetOne Ihre Praxis digitalisiert

Funktionen ansehen

Grundpauschale und der persönliche Arzt-Patienten-Kontakt

Ein Punkt, der in der Praxis regelmäßig zu falscher Abrechnung führt, betrifft die Grundpauschale. Die Grund- und Versichertenpauschalen im EBM - etwa GOP 03000 für Hausärzte oder die fachärztlichen Grundpauschalen ab Kapitel 04 - setzen einen persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt (APK) im Behandlungsfall voraus. Nach der aktuellen EBM-Definition zählt die Videosprechstunde nicht als persönlicher APK, obwohl sie ein unmittelbarer Arzt-Patienten-Kontakt ist.

Praktisch bedeutet das: Wird ein Patient in einem Quartal ausschließlich per Video behandelt, bleibt die Grund- bzw. Versichertenpauschale zwar abrechenbar, aber nicht in voller Höhe - die KV nimmt einen fachgruppenspezifischen Abschlag vor. Ausgenommen sind die GOP 03030, 04030, 12222, 12223 und 12224, die per Video nicht berechnungsfähig sind. Die Zuschläge zur Pauschale werden in reinen Videofällen ebenfalls gekürzt.

Die Lösung ist unkompliziert: Ein einziger Präsenzkontakt pro Patient und Quartal - und sei es nur zur eGK-Einlesung - reicht aus, um die Grundpauschale ohne Abschlag abzurechnen. Alle weiteren Kontakte im selben Quartal können dann uneingeschränkt per Video stattfinden. Eine ausführliche Darstellung, welche Fachgruppen betroffen sind und wie sich die Terminplanung entsprechend anpassen lässt, bietet der Artikel Grundpauschale und Videosprechstunde.

Der Abschlag bei reinen Video-Quartalen: Pseudo-GOP 88220

Fehlt der persönliche Kontakt vollständig, kennzeichnet die Praxis den Behandlungsfall mit der Pseudo-GOP 88220. Sie ist keine Leistungsziffer, sondern der Nachweis gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung, dass im Quartal ausschließlich Videokontakte stattfanden (Nr. 4.3.1 Abs. 5 der Allgemeinen Bestimmungen des EBM).

Die Folge ist ein prozentualer Abschlag auf die Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale:

Gruppe Abschlag Fachgruppen (Auswahl)
1 20 % Hausärzte, Kinder- und Jugendmedizin, Neurologie/Neurochirurgie, Kinder- und Jugendpsychiatrie/-psychotherapie, Psychosomatik/Psychotherapie/Psychiatrie
2 25 % Innere Medizin, Gynäkologie, Chirurgie, Dermatologie, Orthopädie, Urologie
3 30 % Anästhesie, Augenheilkunde, HNO/Phoniatrie

Sie sehen diesen Abzug erst im Honorarbescheid - eine nachträgliche Korrektur ist nicht möglich. Der einzige verlässliche Schutz ist deshalb vorausschauende Planung: mindestens ein Präsenzkontakt pro Patient und Quartal, unabhängig davon, wie kurz er ausfällt. Wie die Berechnung im Detail funktioniert und welche Ausnahmen gelten, erläutert der Artikel zur Pseudo-GOP 88220.

Die 50-Prozent-Regel: Obergrenze für reine Video-Behandlungsfälle

Neben dem Abschlag auf einzelne Patienten gibt es eine zweite Begrenzung, die die gesamte Praxis betrifft: Maximal 50 Prozent aller Behandlungsfälle eines Quartals dürfen ausschließlich per Video erfolgen. Die Grenze wird je Betriebsstättennummer angewendet: In Gemeinschaftspraxen und MVZ zählt die Einrichtung insgesamt, einzelne Behandler dürfen darüber liegen. Fälle aus dem organisierten Notdienst und TSS-Akutfälle werden nicht mitgezählt.

Entscheidend ist auch hier der Begriff Behandlungsfall, nicht die einzelne Sitzung. Ein Patient, der im Quartal fünfmal per Video und einmal in Präsenz behandelt wird, zählt nicht als reiner Video-Fall - er fällt komplett aus der 50-Prozent-Berechnung heraus, sobald ein einziger persönlicher Kontakt stattgefunden hat.

Oberhalb der Grenze sind reine Videofälle nicht vorgesehen; die KV kann die Abrechnung entsprechend richtigstellen. Der Abschlag über die Pseudo-GOP 88220 ist davon unabhängig und fällt bei jedem reinen Videofall an. In der Praxis wird die Grenze vor allem in gesprächsbasierten Fachgruppen relevant - Psychotherapie und Psychiatrie -, während sie in der Hausarztpraxis wegen des hohen Anteils untersuchungsgebundener Leistungen selten erreicht wird. Eine ausführliche Darstellung mit Rechenbeispielen und typischen Missverständnissen finden Sie im Artikel zur 50-Prozent-Regel.

Was sich 2026 geändert hat

Zum Jahreswechsel wird der Orientierungspunktwert regelmäßig angepasst, was sich direkt auf die Euro-Beträge der Video-GOPs auswirkt. Für 2026 liegt der bundesweite Orientierungspunktwert bei ca. 12,74 Cent (2025: ca. 12,39 Cent) - eine Erhöhung um 2,8 Prozent. Der Technikzuschlag GOP 01450 steigt dadurch von ca. 4,96 Euro (2025) auf ca. 5,10 Euro (2026).

Strukturell hat sich wenig verändert: Die Bewertung der GOP 01450 bleibt bei 40 Punkten (der Höchstwert von 700 Punkten je Arzt und Quartal gilt seit dem 1. Juli 2025), die Pseudo-GOP 88220 und die 50-Prozent-Regel gelten unverändert fort. Verlängert wurde die Befristung der GOP 01444 bis zum 31. Dezember 2026. Für Praxen, die ihre Videosprechstunden-Abrechnung bereits korrekt aufgestellt haben, bedeutet das: keine grundlegende Umstellung, aber eine Gelegenheit, die im Praxisverwaltungssystem hinterlegten Punktwerte zu prüfen. Eine vollständige Übersicht aller Änderungen mit Rechenbeispielen bietet der Artikel EBM-Änderungen 2026.

Abrechnung nach Fachgruppe

Die grundlegenden Regeln - Technikzuschlag, Authentifizierung, Grundpauschale, 50-Prozent-Regel - gelten fachgruppenübergreifend. Welche Leistungen konkret videofähig sind und wo praktische Einschränkungen bestehen, unterscheidet sich jedoch erheblich.

Hausärzte

Die Versichertenpauschale (GOP 03000) kann grundsätzlich auch bei einem Videokontakt ausgelöst werden, sofern im Quartal zusätzlich ein Präsenzkontakt stattfindet. Gut für Video geeignet sind Befundbesprechungen, Medikamentenanpassungen bei chronisch Erkrankten und AU-Bescheinigungen, die unbegrenzt per Video ausgestellt werden können. Nicht videofähig sind Leistungen mit körperlicher Untersuchung - Check-ups, Wundversorgung oder Impfungen.

Fachärzte

Bei den fachärztlichen Grundpauschalen ist die Bindung an den persönlichen Kontakt in der Regel enger als bei der hausärztlichen Versichertenpauschale. Fachärzte sollten deshalb pro Quartal mindestens einen Präsenzkontakt fest einplanen, um die Grundpauschale ohne Abschlag abzurechnen, und Videotermine gezielt für Gesprächsleistungen nutzen - Befundbesprechung, Verlaufskontrolle, Therapieanpassung. Wie stark sich die Videoeignung zwischen den Fachrichtungen unterscheidet - von der Psychiatrie mit breiter Videofähigkeit bis zur Dermatologie, wo die Erstdiagnostik meist Präsenz erfordert -, zeigt der Artikel Videosprechstunde Abrechnung nach Fachgruppe. Eine praxisnahe Übersicht der Anwendungsfälle je Fachrichtung bietet außerdem der Artikel Videosprechstunde für Fachärzte.

Kinderärzte

Auch in der Pädiatrie folgt die Videofähigkeit der gleichen Grundregel: Gesprächsleistungen sind videofähig, körperliche Untersuchungen nicht. Beratungen, Befundbesprechungen und die Begleitung chronischer Erkrankungen - etwa Asthma, Diabetes oder ADHS - lassen sich per Video abbilden. Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen) und Impfungen erfordern dagegen zwingend Präsenz, da eine körperliche Intervention beziehungsweise Untersuchung notwendig ist. Eine praktische Besonderheit kommt hinzu: Da der Patient minderjährig ist, muss die Einwilligung durch die Erziehungsberechtigten erfolgen, die bei jüngeren Kindern in der Regel auch während der Videokonsultation anwesend sein sollten.

Psychotherapeuten

Die Psychotherapie ist die Fachgruppe mit der breitesten Videofähigkeit: Sprechstunde, probatorische Sitzungen, Akutbehandlung sowie Einzel- und Gruppentherapie aller Richtlinienverfahren können per Video erbracht werden. Nach § 21 Abs. 3 der Psychotherapie-Vereinbarung finden mindestens 50 Minuten der Sprechstunde und der probatorischen Sitzungen grundsätzlich persönlich statt; Abweichungen sind in begründeten Fällen möglich. Bei Gruppentherapien wird der Technikzuschlag nur einmal je Gruppensitzung abgerechnet, nicht pro Teilnehmer. Die konkreten GOP-Nummern, Stundenkontingente und häufigen Fehler bei der psychotherapeutischen Videoabrechnung sind Thema des Artikels Psychotherapie per Video abrechnen: EBM-Ziffern im Detail.

MeetOne kostenlos testen

Testen Sie MeetOne kostenlos für 30 Tage

Kostenlos testen

Privatpatienten: GOÄ statt EBM

Alle bisher genannten Regeln - Technikzuschlag, Suffix V, 50-Prozent-Regel, Pseudo-GOP 88220 - gelten ausschließlich für die GKV-Abrechnung nach EBM. Für Privatpatienten kommt die GOÄ zur Anwendung, die keine Video-Suffixe, keinen Technikzuschlag und keine Mengenbegrenzung kennt. Stattdessen werden die regulären Beratungs- und Gesprächsziffern angesetzt, gegebenenfalls mit einem höheren Steigerungsfaktor für den Mehraufwand durch das Videoformat. Für Praxen mit gemischtem Patientenstamm bedeutet das: zwei unterschiedliche Abrechnungslogiken, je nach Versicherungsstatus des Patienten. Die relevanten Ziffern und Besonderheiten der Privatabrechnung erläutert der Artikel Videosprechstunde abrechnen: GOÄ-Ziffern für Privatpatienten.

Häufige Abrechnungsfehler und wie man sie vermeidet

Die meisten Abrechnungsfehler bei der Videosprechstunde entstehen nicht aus Unkenntnis der einzelnen Ziffern, sondern aus fehlenden Routinen im Praxisalltag. Die häufigsten Stolperstellen im Überblick:

  • Technikzuschlag vergessen: Die Gesprächsleistung wird korrekt abgerechnet, die GOP 01450 aber nicht ergänzt - ein Verlust von 5,10 Euro pro Videosprechstunde, solange der Quartalshöchstwert von 700 Punkten je Arzt noch nicht erreicht ist
  • Suffix V nicht gesetzt: Ohne das Kennzeichen erscheint die Videoleistung formal als Präsenzleistung, die in dieser Form nicht stattgefunden hat
  • Grundpauschale ohne Abschlag angesetzt: Wird routinemäßig in voller Höhe abgerechnet, obwohl der Patient im Quartal nur per Video behandelt wurde und der Fall mit der Pseudo-GOP 88220 zu kennzeichnen wäre
  • 50-Prozent-Grenze unbemerkt überschritten: Da die KV erst nachträglich prüft, bemerken Praxen die Überschreitung oft erst mit der Quartalsabrechnung
  • Authentifizierungszuschlag bei bekannten Patienten: Die GOP 01444 wird fälschlich auch bei Patienten angesetzt, die im laufenden Quartal oder im Vorquartal persönlich in der Praxis waren und deren eGK-Daten damit bereits vorliegen

Werden solche Fehler bei einer Prüfung durch die KV festgestellt, drohen nicht nur Korrekturen für das laufende Quartal, sondern unter Umständen auch eine Retaxation - also eine rückwirkende Rückforderung bereits ausgezahlter Honorare. Wie der Retaxationsprozess abläuft und wie Praxen darauf richtig reagieren, beschreibt der Artikel Retaxation in der Videosprechstunde.

Eine ausführliche Darstellung aller zehn häufigsten Fehler mit Lösungsansätzen bietet der Artikel Videosprechstunde: Die 10 häufigsten Abrechnungsfehler. Für die MFA, die die Quartalsabrechnung im Alltag umsetzt, lohnt sich zusätzlich ein Blick in die Checkliste zur Quartalsabrechnung - dort sind die wiederkehrenden Prüfschritte praxisnah zusammengefasst.

Beispielrechnung: Was die Video-Zuschläge je Quartal einbringen

Um die Größenordnung greifbar zu machen, ein vereinfachtes Rechenbeispiel für einen Arzt mit regelmäßigem Video-Anteil:

Annahme: 60 Videosprechstunden im Quartal, davon 15 mit unbekannten Patienten (weder im laufenden Quartal noch im Vorquartal in der Praxis).

Position Berechnung Betrag
Technikzuschlag (60 × 40 = 2.400 Punkte, begrenzt auf 700 Punkte) 700 Punkte × 12,74 Cent 89,18 €
Authentifizierung (15 × GOP 01444) 15 × 1,27 € 19,05 €
Summe Video-Zuschläge 108,23 €

Ohne Deckelung ergäben 60 × 5,10 € rechnerisch 306,00 €. Die Obergrenze von 700 Punkten je Arzt und Quartal begrenzt den Technikzuschlag auf rund 89 €, sie ist schon nach 17,5 Videosprechstunden erreicht. Die GOP 01444 zählt nicht zu diesem Punktzahlvolumen.

Zum Vergleich: Mit dem Punktwert von 2025 (ca. 12,39 Cent) lag der Höchstwert bei rund 86,75 Euro - der höhere Punktwert 2026 bringt ein Plus von rund 2,43 Euro je Arzt und Quartal. Kein großer Sprung, aber auch kein Betrag, den man in der Quartalsabrechnung übersehen sollte.

Wichtig: Diese Zuschläge kommen zur eigentlichen ärztlichen oder psychotherapeutischen Leistung hinzu - Grundpauschale, Gesprächsziffern oder Therapiesitzung werden separat vergütet, die Pauschale ohne Abschlag, sofern im Quartal ein persönlicher Kontakt stattfand; Videoleistungen brauchen das korrekte Suffix.

PVS-Einrichtung: Zuschläge automatisieren

Ein wesentlicher Teil der vergessenen Zuschläge lässt sich technisch vermeiden. Die meisten modernen Praxisverwaltungssysteme bieten die Möglichkeit, den Technikzuschlag automatisch anzusetzen, sobald eine Leistung mit Suffix V dokumentiert wird - und die GOP 01444 automatisch vorzuschlagen, wenn der Patient weder im laufenden Quartal noch im Vorquartal in der Praxis war. Prüfen Sie in den Abrechnungseinstellungen Ihres PVS, ob eine solche Zuordnung konfigurierbar ist, und testen Sie die Einstellung anhand eines Beispielfalls, bevor Sie sie im laufenden Praxisbetrieb einsetzen.

Allerdings unterstützt nicht jedes PVS diese Automatisierung gleich gut. Bei älteren Systemen bleibt oft nur die manuelle Erfassung - hier hilft eine praxisinterne Checkliste für die MFA, die vor jeder Videosprechstunde die relevanten Zuschläge abfragt und am Quartalsende prüft, welche Patienten bislang ausschließlich per Video behandelt wurden.

Portopauschalen und weitere Nebenpositionen

Neben den zentralen Video-GOPs gibt es kleinere Positionen, die im Praxisalltag leicht übersehen werden. Für den Versand von Unterlagen nach einer Videosprechstunde können beispielsweise Portopauschalen abgerechnet werden: die GOP 40128 für den Versand von AU-Bescheinigung, Verordnung, Überweisung oder Krankenhauseinweisung und die GOP 40129 für die Kind-krank-Bescheinigung. Relevant sind sie etwa, wenn nach der Videosprechstunde eine Verordnung oder AU-Bescheinigung postalisch nachgereicht wird. Diese Positionen sind fachgruppenübergreifend gültig und unabhängig vom Videoformat, gewinnen im Zusammenhang mit der Videosprechstunde aber an Bedeutung, weil physische Unterlagen nach einem Videotermin häufiger per Post nachgesendet werden.

Videosprechstunde abrechnen - die wichtigsten Ziffern

  • GOP 01450 (Technikzuschlag): 40 Punkte, ca. 5,10 € bei jeder Videosprechstunde, höchstens 700 Punkte je Arzt und Quartal
  • GOP 01444 (Authentifizierung): 10 Punkte, ca. 1,27 € bei unbekannten Patienten (weder im laufenden Quartal noch im Vorquartal in der Praxis), befristet bis 31.12.2026
  • GOP 01452 (strukturierte Versorgung): 30 Punkte, ca. 3,82 €, wird von der KV bei bekannten Patienten ohne persönlichen Kontakt zugesetzt
  • Grundpauschale: auch in reinen Videofällen abrechenbar, dann mit Abschlag
  • Pseudo-GOP 88220: Kennzeichnung reiner Video-Fälle, Abschlag von 20, 25 oder 30 % je nach Fachgruppe
  • 50-Prozent-Regel: maximal die Hälfte aller Behandlungsfälle ausschließlich per Video
Beratung vereinbaren

Fazit

Die Abrechnung der Videosprechstunde folgt einer überschaubaren Grundstruktur: Technikzuschlag, gegebenenfalls Authentifizierung, die eigentliche Leistung mit Suffix V oder W - ergänzt um zwei Begrenzungen, die einen dauerhaften Ersatz der Präsenzbehandlung verhindern sollen: die Bindung der Grundpauschale an den persönlichen Kontakt und die 50-Prozent-Regel. Wer diese Bausteine kennt und mindestens einen Präsenzkontakt pro Patient und Quartal einplant, schöpft die verfügbare Vergütung aus und vermeidet Abschläge sowie Rückforderungen. Für die Details der einzelnen Ziffern, Fachgruppen und Fehlerquellen lohnt sich der Blick in die verlinkten Detailartikel.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Abrechnungsberatung. Die Punktwerte und Euro-Beträge können je nach KV-Region variieren. Stand: Oktober 2026, Quellen: KBV-Vergütungsübersicht Videosprechstunde (1. Juli 2026) und Beschlüsse des Bewertungsausschusses.